Das „Unser Vater“ oft auswendig anstatt inwendig

Jesus lehrt uns beten:

Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name;
dein Reich komme;
dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden!
Unser tägliches Brot gib uns heute;
und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben;
und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns von dem Bösen!
Matthäus 6,9-13

Die Unser-Vater-Kirche auf dem Ölberg

„Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name;“
Der Ausdruck „Vater“ klingt nach einer vertrauten und persönlichen Beziehung. Gott möchte nicht irgendein ferner Herrgott sein, sondern dein und mein Vater. Wenn Gott mein Vater ist, dann bin ich logischerweise sein Kind. Nur die eigenen Kinder dürfen ihren Vater mit „Vater“ ansprechen.
Der Zusatz „im Himmel“ macht uns deutlich: Er ist der vollkommene Vater.
Das Wort „Vater“ ermutigt uns, zuversichtlich zu beten. „Im Himmel“ lässt uns demütig werden. Jeder plumpe und lässige Umgang mit Gott wird mit dem Zusatz „im Himmel“ ausgeschlossen.
Weiter heißt es „UNSER Vater“ und nicht „mein Vater“. Wir sollen einen Blick für unsere Geschwister haben.
Wer dem „Vater im Himmel“ begegnet, nimmt aus dieser Begegnung „Himmlisches“ mit. So wie Mose, dem man es ansah, wenn er mit Gott gesprochen hatte.
Mit den Worten „Geheiligt werde Dein Name“ beten wir, dass Gottes Name auch uns heilig werde. Es ist die Bitte um Reinigung und göttliche Kraft, damit er durch unser Leben geehrt wird. 2. Korinther 3,18: „Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit durch seinen Heiligen Geist.“

„dein Reich komme“
Das Reich Gottes beginnt da, wo Menschen beginnen, auf Gott zu hören. Wenn wieder ein Mensch bereit ist, sein Leben Gott zur Verfügung zu stellen, dann löst das im Himmel ein großes Fest aus.
In der Bitte „Dein Reich komme“ stellen wir uns mit hinein in den doppelten Wunsch Gottes, dass jetzt sein Reich überall wachsen kann und dass es eines Tages vollendet werden soll.

„dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden!“
In Psalm 25,12 heißt es: „Wer ist nun der Mann, der den HERRN fürchtet? Ihn wird er unterweisen in dem Weg, den er wählen soll.“
Gott will, dass wir Mitverantwortung tragen für den Weg, den wir einschlagen.
Gottes Wille ist es, dass wir uns freiwillig für IHN entscheiden. Die Bitte „Dein Wille geschehe“ ist das Ende aller Rebellion gegenüber Gott. Wer seinen Willen unter Gottes Willen stellt, verliert ihn nicht, sondern entdeckt eine neue Dimension des Lebens, weil Gott nur das Beste für unser Leben will.

„Unser tägliches Brot gib uns heute;“
Gott kümmert sich um das, was ich täglich brauche. Gott sorgt für unser Brot, aber er verlangt von uns auch unseren Einsatz. Darum schreibt Paulus (2. Thessalonicher 3,10): „Wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen.“
Gott gibt uns unser tägliches Brot, also das, was wir zum Leben wirklich brauchen. Hier steht nichts von Luxus – das Brot steht für das wirklich Nötige. Jesus hat uns vorgelebt, wie Gott für ihn und seine Jünger gesorgt hat. Er und seine Jünger zogen los, ohne eine Sicherheit zu haben. Einmal fragte Jesus seine Jünger: „Als ich euch ohne Geld und Tasche und Sandalen sandte, mangelte euch etwas? Sie aber antworteten ihm: Nichts.“ (Lukas 22,35).
Dabei schenkt uns Gott noch viel mehr als nur das, was für uns physisches Leben brauchen. Wir können auf dieser Welt alles Mögliche konsumieren, aber unseren inneren Lebenshunger stillt nur Jesus. Jesus ist unser Lebensbrot. So wird die Bitte um das tägliche Brot auch eine Bitte um die tägliche geistliche Nahrung.

„und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben;“
Jemandem gegenüber in der Schuld zu stehen, heißt, jemandem etwas zu verweigern, worauf er ein Recht hätte.
Schuldig werden wir gegenüber Menschen, wenn wir sie als Personen nicht achten oder sie verletzen. Schuldig werden wir gegenüber Gott, wenn wir ihm gegenüber gleichgültig sind oder ihm nicht vertrauen wollen.
Ein Mensch, der um Vergebung bittet, sieht ein: „Ich bin mitschuldig. Ich bin daran mitbeteiligt, wie sich die Dinge entwickelt haben. Ich habe mich nicht dagegen gewehrt.“
Es wird immer wieder Menschen geben, die uns verletzen. Gott geht mit uns so um, wie wir mit den Menschen umgehen sollen, die an uns schuldig geworden sind. Das ist eine gewaltige Herausforderung an uns. Wir sollen anderen vergeben, auch wenn sie ihre Schuld noch nicht einsehen, denn auch wir möchten, dass Gott uns alle Schulden vergibt. Wo nicht mehr aufgerechnet wird, beginnt ein neues Denken, ein neues Leben. Der Mensch gesundet an Leib und Seele.

„und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns von dem Bösen!“
Wollen wir Gott und seinen Anweisungen vertrauen oder nehmen wir unser Leben lieber selber in die Hand? Versuchung ist wie eine Wegkreuzung, vor der wir stehen. Wir können uns für oder gegen Gottes Anweisungen entscheiden. Versuchungen sind wie Vögel. „Du kannst nicht verhindern, dass ein Vogelschwarm über deinen Kopf hinwegfliegt. Aber du kannst verhindern, dass er in deinen Haaren nistet“ (Martin Luther).
Vom Versucher kommt die ursprüngliche Versuchung, Gott zu misstrauen.
Jesus betet: „Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen“ (Johannes 17,15).
Mit dem Gebet: „Führe uns nicht in Versuchung“ bekennen wir uns zu unserer Schwäche und distanzieren uns von einem falschen Selbstvertrauen. Wir sind uns bewusst, dass wir den Heiligen Geist brauchen, der uns zum Guten leitet.
Jesus schließt sein Gebet mit einem Seufzer und Notschrei: „Erlöse uns von dem Bösen. Bewahre und beschirme uns vor dem Teufel.“ Es ist die Bitte, dass uns das Heil, das wir in Jesus haben, erhalten bleibt und wir nicht wieder in den Einflussbereich von Gottes Gegenspieler zurückkehren.

Dieses Gebet wird oft auswendig aufgesagt anstatt inwendig gebetet. Jesus hat dieses Gebet nicht gegeben, damit wir es nachplappern (Matthäus 6,7), sondern damit wir erfassen können, was Gott auf dem Herzen liegt. Auch verstand Jesus dieses Gebet nicht als eine Bußübung.

——————

Vergleiche:

“Unser Vater” – Jesus lehrt uns beten

Vater unser im Himmel
Der Ausdruck “Vater” klingt nach einer vertrauten und persönlichen Beziehung. Gott möchte nicht irgendein Weiterlesen

Geheiligt werde dein Name
Wie kann man einen Silberlöffel silbrig machen? Silber ist schon Weiterlesen

Dein Reich komme
Für viele Menschen ist diese Bitte mysteriös. Ich habe einige Christen gefragt, was Weiterlesen

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden
Wir müssen nicht herausfinden, was Gott tut, sondern merken, dass er weiß, was er tut. Weiterlesen ….

Unser tägliches Brot gib uns heute
Gott macht sich Sorgen um unser Wohlergehen. Gottes Wirtschaftsphilosophie: Er macht uns zu Menschen, die wieder auf Gottes Fürsorge und Liebe vertrauen können. Weiterlesen …

Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern
Wo nicht mehr aufgerechnet wird, beginnt ein neues Denken, ein neues Leben.   Weiterlesen ….

Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen
Das ist die Bitte eines lebenshungrigen Menschen. Weiterlesen ….

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen
Unser Vater im Himmel hat alles unter Kontrolle. Das macht uns gelassen. Weiterlesen …

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInEmail this to someonePrint this page

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.