Ist Jesus bald noch der Einzige, der an die Hölle glaubt?

In der modernen Theologie blendet man ein „Verloren gehen“ aus. Alles wird irgendwann transformiert und das Böse überwunden. Gott habe sich bereits versöhnt und der Mensch habe keinen Einfluss auf sein Heil. Die Kirche sei Demonstration von Gottes transformierender Herrschaft.

Auch Sünde ist zu einem diffusen Begriff geworden. Dr. Marcus Weiand vom  Institut für Konflikttransformation (ComPax) sagte zu Livenet:In der Gemeinde fällt der Begriff «Sünde» oft gar nicht mehr.“  „Heute wird gar nicht mehr in der Kategorie gedacht, dass man an etwas Schuld hat. Es geht eher um die Frage der Überforderung. Man schafft Dinge nicht mehr, und damit entschuldigt man möglicherweise auch das Tun. Es steckt ganz tief in uns drin, dissonantes Verhalten zu entschuldigen, anstatt sich den Dingen zu stellen.“   mehr Informationen

In der katholischen Theologie kommt man heute zum Schluss: „Nicht der Himmel ist die Ausnahme, sondern die Hölle“ Gleichwohl gibt es die Hoffnung, dass die Hölle aufgrund der Gnade Gottes quasi leer ist. Dr. Markus Schulze von der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar zitierte in diesem Zusammenhang die beiden Theologen Hans Urs von Balthasar (1905-1988) und Karl Rahner (1904-1984), die beide von der Hoffnung sprechen, dass niemand verworfen ist. Dass die Hölle heutzutage der Jenseitsort ist, der weniger „bevölkert“ ist als der Himmel, bezeichnete Schulze allerdings auch als eine sehr moderne Vorstellung. „Für Augustinus war noch ganz klar, dass die ‚massa damnata‘, die Masse der Verdammten, größer ist als die ‚massa renata‘, die Menge der Erlösten“  Christus aber habe den Menschen zu verstehen gegeben, dass nicht der Himmel die Ausnahme sei, sondern die Hölle.  mehr Informationen

Papst Franziskus hat, nachdem ihm darin Johannes XXIII. und Paul VI. vorausgegangen waren, aber mit mehr revolutionärer Kraft im Vergleich zur kirchlichen Theologie, die Orte abgeschafft, in denen die Seelen nach dem Tod gehen sollten: Hölle, Fegefeuer.

„Die von ihm vertretene These ist, daß die vom Bösen beherrschten und nicht reuigen Seelen aufhören zu existieren, während jene, die sich vom Bösen befreit haben, in die Seligkeit aufgenommen werden, wo sie Gott schauen.“

Das Jüngste Gericht, das zur Tradition der Kirche gehört, wird sinnlos. Die Seelen, die das Bösen gewählt und praktiziert haben, verschwinden und das Jüngste Gericht bleibt eine bloße Vorlage für großartige Bilder der Kunstgeschichte.“  mehr Informationen

Eugenio Scalfari, Doyen des linken Journalismus und bekennender Atheist, zitiert Aussagen, die Papst Franziskus in persönlichen Gesprächen mit ihm geäußert habe (La Repubblica), wonach es keine Bestrafung des Bösen gebe, kein Fegefeuer und keine Hölle. Wer bewußt Böses tue und nicht bereue, dessen Seele lösche sich mit dem Tod aus. Der Vatikan dementierte bisher nicht. mehr Informationen

Die ersten Interviews wurden inzwischen vom Vatikanverlag als Buch herausgegeben, die jüngeren wurden vollinhaltlich vom Osservatore Romano veröffentlicht.

Am 15. März 2015 zitiert er in der Zeitung Repubblica www.repubblica.it

Im April 2018 sah sich der Vatikan zu einer Richtigstellung veranlasst. Demnach habe Papst Franziskus keineswegs die Existenz der Hölle geleugnet, vielmehr sei der Heilige Vater von Scalfari falsch wiedergegeben worden. Überhaupt handele es sich bei den zahlreichen direkten Zitaten des Textes von Scalfari nicht um „wortgetreue Wiedergaben“. Was der Papst denn nun selbst über die Hölle denkt, teilte der Vatikan in seinem Dementi der Zitate Scalfaris vom Gründonnerstag 29.3.18 nicht mit.

Widerspricht ein Papst dem Konsens seiner Vorgänger, verliert er seine Amtsautorität. Vor diesem Hintergrund erklärt Douthat, warum Papst Franziskus sich kontroverse Aussagen – wie die Annihilation der Seelen der Verdammten nach dem Tod – für seine Gespräche mit dem dreiundneunzigjährigen Journalisten Eugenio Scalfari aufhebe. Diese Interviews werden nicht mitgeschnitten, sondern von Scalfari aus Notizen nachträglich rekonstruiert. Die Wahl dieser bewusst unzuverlässigen Form der Kommunikation erlaubt dem Papst, theologische Positionen zu artikulieren, ohne sie verantworten zu müssen. mehr Informationen

„Was passiert mit denen die keinen Glauben haben? Die Antwort (von Franziskus) ist, dass der (himmlische) Vater ihn willkommen heißen wird, wenn er andere (Menschen) zumindest ein wenig mehr als sich selbst liebte. Der Glaube ist nicht das Entscheidende sondern das Leben.“

„Nach Franziskus ist der Egoismus der gefährlichste Feind unserer Spezies. Wenn Selbstsucht die Liebe für andere überwältigt und erstickt, dann erlischt der göttliche Funken, der in jedem Menschen ist und verurteilt sich selbst.“

„Was passiert mit der Seele? Wird sie bestraft und wie?

Die Antwort von Franziskus ist klar und deutlich: Es gibt keine Bestrafung der Seelen, sondern sie werde aufgehoben. Die Nicht-Aufgehobenen beteiligen sich alle an der Seligkeit des Lebens in der Gegenwart des Vaters. Annullierte Seelen sind nicht Teil des himmlischen Banketts. Mit dem Tod ihres Körpers ist ihr Weg vorbei. Das ist auch die Motivation der Missionskirche: Die Verlorenen zu retten.“   mehr Informationen

In einem Artikel vom 3.September 2016 schreibt EUGENIO SCALFARI über das Buch (Schwester Tod, Sorella morte 6. September 2016) von Erzbischof Vincenzo Paglia: Das Geheimnis ist, dass die Lösung Liebe ist. „In diesem Zeitabschnitt der Geschichte ist ein Bündnis zwischen allen unabdingbar, um einen gemeinsamen Horizont zu finden, der dem Leben und dem Tod einen Sinn gibt.“ Diese Worte erinnern an die Lehren von Papst Franziskus, die  Paglia offenbar auch teilt: Modernität, die Vision von Christus als Liebe, Brüderlichkeit, gegenseitiger Austausch und das Konzept der Gnade als Geschenk und nicht als Vergebung. Das ist die Lehre von Franziskus und das ist der Geist, den das Buch  von Paglia ausdrückt.    mehr Informationen

Franziskus sagte in seiner Generalaudienz am Mittwoch 25.10.17  in Rom:  «Das ist das Ziel unserer Existenz: dass alles sich vollendet und in Liebe umgestaltet wird» «Es gibt keinen Menschen, wie schlecht er auch gelebt hat, dem nur die Verzweiflung bliebe und dem die Gnade verwehrt wäre.» Christen brauchten sich daher auch vor dem Tod nicht zu fürchten. Am Ende siege die Zuversicht, und nur die Liebe bleibe, so der Papst. mehr Informationen

Jesus dagegen spricht in der Bibel immer wieder vom Verlorenen, dass gesucht und gefunden wird (Lukas 15).

In Matthäus  10,28 sprach Jesus ganz pointiert: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet aber vielmehr den, der sowohl Seele als auch Leib zu verderben vermag in der Hölle!“

Jesus lehrt auch in Matthäus  7,13-14„Geht hinein durch die enge Pforte! Denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind, die auf ihm hineingehen.  Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden.“

In Lukas 16 spricht Jesus eindringlich über zwei Orte nach dem Tod und das man die Seiten nicht wechseln kann. Auch wissen wir  aufgrund der Schriften genügend und brauchen keine zusätzlichen Offenbarungen (Lukas 16,31).

Bemerkenswert ist auch, dass es nach Jesus nicht darum geht, ob wir Jesus kennen, sondern ob er uns kennt. „Ich kenne euch nicht“ sagt Jesus zu den vermeidlichen Gottesdienern (Matthäus 7,22-23), den „Jungfrauen“ (Matthäus 25,12) und anderen Menschen, die dachten sie wissen um Jesus (Lukas 13,26-27).

Paulus schreibt (Römer 1,21), dass jeder aufgrund seines Wissens und nicht aufgrund seiner Unwissenheit von Gott beurteilt wird, was Paulus in Römer 2 ausführt. Jeder Mensch wird für die Gemeinschaft mit Gott und den Himmel geboren. Erst durch sein Verhalten kann er aus dem Buch des Lebens gestrichen werden (Offenbarung 3,5).

Spannend ist auch die Beobachtung von Petrus im Zusammenhang mit Kornelius, dass Gott alle Menschen annimmt, wenn sie ihn nicht ignorieren (Apostelgeschichte 10,35).

Durch die Identifikation mit dem Tod von Jesus am Kreuz als Folge eines gottabgewandten Lebens (Sünde), wird das alte Leben symbolisch in der Taufe aufgegeben und Anteil genommen an der Auferstehung von Jesus, der uns ewiges Leben mit Gott schenkt (Römer 6,4).

Sünde kommt ursprünglich aus der Bogensprache und meint Zielverfehlung. Das Ziel ist die Gemeinschaft mit Gott und ein eins werden mit seinen Gedanken (Johannes 17,21).

Wenn es keine Hölle gäbe, wäre es sonderbar, dass Jesus dieses Konzept ins jüdische Denksystem eingeführt hat. Gott kann mit einem Wort alles verändern. Er hat es aber nicht getan, weil die freiwillige Zuwendung (5.Mose 6,5) nicht angeordnet werden kann. Unser Leben auf dieser Erde gibt uns genügend Zeit, uns auf ein Leben in der Gemeinschaft mit Gott auszurichten  und uns damit für den Himmel bereit zu machen (Johannes 17,21-24).

Vergleiche auch Artikel:

Leben nach dem Tod
Jesus spricht als Erster von Himmel und Hölle
Der Himmel

Leben nach dem Tod

Über Ewigkeit, Himmel und Hölle und das Leben nach dem Tod spricht man selten. Deshalb möchte ich dem Thema einmal nachgehen. Ganz am Anfang der Menschheitsgeschichte, so berichtet uns die Bibel, war eine enge Verbindung zwischen den Menschen und der göttlichen Welt. Erst durch weiterlesen

Jesus spricht als Erster von Himmel oder Hölle

Jesus lehrt, dass es nach dem Leben zwei Orte gibt. Ein Ort der Geborgenheit und ein Ort des ungestillten Verlangens. An einem Ort ist Gott und am anderen Ort ist man sich selbst überlassen. Dazwischen gibt es ist einen unüberwindbareren Graben. Wer auf der Erde mit Gott lebt, der wird auch im Jenseits bei Gott … weiterlesen

Der Himmel

Jesus sagte zu seinen Jüngern: „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin“ (Johannes 14,2-3). …  weiterlesen

Papst: Die Türe zum Heil ist eng aber weit offen

Das betonte Papst Franziskus an diesem Sonntag (21.8.16) auf dem Petersplatz unter Berufung auf das Tagesevangelium nach Lukas. Darin wird Jesus auf dem Weg nach Jerusalem von einem gefragt, ob nur wenige Menschen gerettet werden können. Er antwortet darauf: „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, … weiterlesen

Das neue Vatikan-Video irritiert

In dem nicht mal zweiminütigen Film kann man leicht den Eindruck gewinnen, der Papst behaupte, alle Religionen seien gleichermaßen Wege zu Gott und alle Religionen meinten letztendlich das gleiche: „Ich glaube an die Liebe“. Das Video suggeriert, dass die Angehörigen verschiedener Weltreligionen Dinge unterschiedlich sehen, aber für alle gilt, dass sie Kinder Gottes sind, dass … Das neue Vatikan-Video irritiert weiterlesen

Die Hütte

Das Buch „Die Hütte“ nimmt brennende Fragen auf und gibt verwirrende Antworten. Der himmlische Vater wird als eine Frau dargestellt, die sich mit „Papa“ ansprechen lässt – voll im Gendertrend. Jede Ordnung wird als teuflisch bezeichnet; und wenn der Mensch nicht vergibt, kann Gott nicht mehr handeln. Jesus sagt in Johannes 17,6: „Ich habe ihnen … weiterlesen

 

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