Israel fliegt letzte Juden aus Äthiopien ein

Letzte Luftbrücke nach Israel: Die restlichen noch in Äthiopien verbliebenen Juden sollen den Boden des Heiligen Landes am Mittwoch betreten. Rund 450 Einwanderer werden dann in zwei Flugzeugen in ihre neue Heimat Israel gebracht. Damit endet die Operation „Kanfei Jona (Taubenflügel)“, der letzte große Einsatz, mit dem Israel Nachfahren des „verlorenen Stamms“ aus Afrika heimholen will.

Das Drama der äthiopischen Juden ist eine uralte und dennoch fast vergessene Geschichte. In ihrem afrikanischen Geburtsland selbst werden sie von der größtenteils orthodoxen Bevölkerung diskriminiert und beschimpft. Dabei leben sie seit über 2500 Jahren rund um die historische Stadt Gondar im Norden des Landes. „Falascha“ werden die schwarzen Juden in der Landessprache Amharisch genannt – das bedeutet soviel wie Wanderer oder Exilierte.

Tatsächlich sind sie entwurzelt und heimatlos, seit das Christentum im vierten Jahrhundert zur Staatsreligion ernannt wurde. Weil sich viele weigerten, den Glauben zu wechseln, wurde ihr Land einfach konfisziert. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden viele Falascha gezwungen, zu konvertieren. Sie hielten aber an ihren Riten fest und kehrten später zum Judentum zurück, wodurch sich im Laufe der Zeit am Horn von Afrika eine ganz eigene Tradition dieser Religion entwickelte.

„Für viele äthiopische Juden ist Israel heute nicht mehr das gelobte Land, da sie unter Rassismus, Verarmung und Diskriminierung leide“, kritisierte der Afrikareferent der Gesellschaft für bedrohte Völker, Ulrich Delius. Aber es gibt auch Beispiele für eine erfolgreiche Integration. Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr eine Äthiopierin zu Israels Schönheitskönigin gewählt. Yityish Aynaw sagt, sie habe nie Rassismus am eigenen Leib erfahren.

Der Ursprung der äthiopischen Juden bleibt derweil unklar. Manche glauben, sie seien direkte Nachfahren von König Salomon und der Königin von Saba. Israelische Rabbiner sehen sie als Nachfahren des verlorenen jüdischen Stamms Dan an. Sicher scheint: Das Volk der Falascha ist bis heute höchst geheimnisumwittert – und bleibt eine benachteiligte Minderheit.

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