IS-Kämpfer: Ich hasste – sie begegneten mir mit Liebe

Mord und Blutvergiessen ist Mohammeds* täglich Brot. Der IS-Kämpfer gehorcht dem Koran, um nahe bei seinem Allah sein zu können. Doch als er den Auftrag bekommt, einen Pastor auszuspionieren, geschieht etwas Unerwartetes

Mohammed* war einer der IS-Kämpfer, der keine Gnade kannte. Sein Job innerhalb der Organisation war recht einfach: Nachdem IS eine Familie in ihrem Haus getötet hatte, ging er noch einmal zurück in das Haus, um sicherzustellen, dass wirklich alle Familienmitglieder tot waren. Wenn nicht, sorgte er dafür. «Zu der Zeit dachte ich, ich muss töten. Ich dachte, ich müsse so viele Bluttaten wie möglich begehen, um meinem Allah nahe zu kommen.» Denn dies, so Mohammed, motiviert jeden IS-Kämpfer. «Das steht so im Koran», erklärt er im Rückblick. «Wenn du kein Muslim bist, musst du einer werden oder wir müssen dich töten und alles von dir nehmen, finanziell, deine Frauen, alles. So gibt es der Koran vor.»

Doch auch Mohammeds Leben war immer wieder in Gefahr, insbesondere durch die Kämpfe zwischen den Sunniten-IS-Kämpfern und der Schiiten-Miliz. So floh er in die Türkei, arbeitete von dort aber weiter für IS. Und seine Vorgesetzten beauftragten ihn, einen christlichen Pastor namens Ghassan Thomas auszuspionieren. Pastor Thomas war bereits im Irak von den islamischen Terroristen bedroht worden und floh daraufhin in die Türkei, wo er eine Gemeinde startete, um so die vielen Flüchtlinge zu erreichen.

Und nun sollte Mohammed die Gemeinde und insbesondere ihren Pastor ausspionieren. «Ich sah die Leute, die Art, wie sie mich begrüssten, obwohl sie mich nicht kannten. Eigentlich hasste ich diese Menschen, aber sie begegneten mir mit Liebe.» Die Christen der Gemeinde beteten auch für Mohammed – und das veränderte ihn mit einem Mal. «Als sie für mich beteten, musste ich wie ein Kind weinen. Ich spürte, wie etwas aus meinem Körper herauskam, etwas sehr Schweres.»

«Ich ging nach Hause, aber es war eine Person bei mir, die mit mir lief, mit mir redete. Es fühlte sich an, als ob ich gar nicht auf der Erde ging. Ich fragte die Person: ‚Fliegen wir?‘ Es fühlte sich nicht an, als ob wir laufen würden, vielmehr als ob mich jemand trug.»

Dann begann Mohammed, die Bibel zu lesen und sie mit dem Koran zu vergleichen. «Ich merkte mit einem Mal, dass dies der Gott war, den ich so lange gesucht hatte. Dies war der wahre Gott. Dies war das, was ich für mein Leben wollte!»

Heute ist Mohammed fester Teil der Gemeinde und hilft Pastor Thomas bei der Arbeit mit den Flüchtlingen. Und der Pastor ist überzeugt davon, dass sie noch viel mehr Mitarbeiter benötigen. «Wir brauchen Leute, die kommen und Gott hier in Europa unter den Flüchtlingen dienen, damit sie aufwachen – und ihre Meinung ändern über IS und über das, was die Gruppierung tut.»

*Name aus Sicherheitsgründen geändert.  mehr Informationen

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