Was sollen die Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe?

Die Weisen aus dem Morgenland schenkten Jesus und seinen Eltern: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Sie gingen in das Haus, wo sie das Kind mit seiner Mutter Maria fanden, knieten vor ihm nieder und beteten es an. Dann packten sie ihre Schätze aus und beschenkten das Kind mit Gold, Weihrauch und Myrrhe (Hfa Mt 2,11).

Auch bei uns kennt man die Tradition, einer Familie zur Geburt eines Kindes etwas zu schenken. Was hättest du Jesus zur Geburt geschenkt? Wären das auch Gold, Weihrauch oder Myrrhe gewesen? Vielleicht nicht. Es sind schon ein wenig eigenartige Geschenke, die Jesus erhält. Zwei Drittel dieser Geschenke sind Wohlgerüche – das heißt, sie verduften und haben keinen bleibenden Bestand. Viel naheliegender ist es doch, einem kleinen Kind Spielsachen und Kleider zu schenken.

In Jes. 60,6 steht: „Sie alle werden kommen und Gold und Weihrauch tragen und sie werden das Lob des Herrn fröhlich verkündigen.“ In diesem Vers geht es um Geschenke, die einem König gebracht werden. Die Geschenke der Weisen bringen in einer besonderen Weise zum Ausdruck, dass Jesus der verheißene jüdische König ist. Gott steht zu seinem Wort und lässt alles in Erfüllung gehen.

Außerdem sorgt Gott mit diesen Gaben für Jesus und seine Familie.

Maria und Joseph hatten eine schwere Zeit hinter sich. Zuerst kam die überraschende Schwangerschaft, und dann wurde die unerwartete Volkszählung angeordnet und sorgte für ein grosses Chaos in Bethlehem.

Wenn man davon ausgeht, dass der Stern von Bethlehem ein besonderes Zusammentreffen der Planeten Jupiter und Saturn beim Übergang vom Sternzeichen Fisch zum Widder war, dann wurde Jesus im Frühling 7 v.Chr. geboren (29.5. bis 8.6.). Der Jupiter symbolisierte in der Antike Königtum, der Saturn den Zeitgott Kronos. Einige sehen darin auch den Stern der Juden. Die Weisen kamen durch die Sterne jedenfalls zum Schluss: Der König der Juden ist geboren worden.

Ungefähr ein halbes Jahr später erschien diese Konstellation noch zweimal (26.9. – 6.10. und 5.12. – 15.12.). Die Gelehrten hatten also genügend Zeit, um aus dem Osten nach Israel zu reisen. Vielleicht benutzten sie dazu die legendäre und älteste Handelsstraße der Welt, die Weihrauchstraße. Sie war über 3500 km lang und verband die Küstenregionen vom indischen Ozean mit den Ländern des Mittelmeerraumes (Oman-Jemen-Hedschas-Gaza-Damaskus). Eine solche Reise mit dem Mercedes der Wüste, dem Kamel, durch Staub und Wüstensand dauerte ca. drei Monate.

Gold
Gold zählt zu den ersten Metallen, die von Menschen verarbeitet wurden. Es lässt sich sehr gut mechanisch bearbeiten und korrodiert nicht. Gold ist auch das erste Metall, das in der Bibel erwähnt wird. Damals wurde es durch Auswaschen aus dem Flusssand gewonnen.
Gold ist ein besonderes Metall und hatte bei den Juden auch im religiösen Bereich eine große Bedeutung. In Haggai 2,8 sagt Gott: „Mein ist das Silber und mein ist das Gold.“ Die ganze Stiftshütte und der Tempel waren voll von Gold. Alle Geräte waren aus reinstem Gold hergestellt (2. Mose 26). Das neue Jerusalem wird aus einem besonderen Gold bestehen, das durchsichtig wie Glas ist. Gold hat einen engen Zusammenhang mit Gott. Dass die Weisen dem Kind Gold schenken, zeigt: Jesus ist nicht irgendein Kind, sondern hat göttlichen Ursprung.

Weihrauch
Die Weisen aus dem Osten bringen Jesus Weihrauch. Weihrauch ist ein Harz, das beim Erhitzen einen wohlriechenden Duft verbreitet. Es wird vom Weihrauchbaum (Olibanum) gewonnen. Durch Anschneiden von Stamm und Ästen wird eine klebrig-milchige Flüssigkeit gewonnen, aus der durch Trocknung an der Luft das Weihrauchharz entsteht. Die Weihrauchbäume wachsen in Afrika, Süd-Arabien und in Indien.
Weihrauch diente als aromatisches, desinfizierendes und entzündungshemmendes Räucher- und Heilmittel. Griechisch-römische Ärzte setzten Weihrauch zur Wundreinigung, gegen Krankheiten der Atemwege und bei Verdauungsproblemen ein. Auch privat war das regelmäßige Ausräuchern des Hauses mit verschiedenen aromatischen Mischungen in der Antike verbreitet.
Symbolisch steht der Weihrauch für Reinigung, Verehrung und Gebet. Weihrauch wurde in Israel vor allem im Gottesdienst verwendet. Einzelne Weihrauchmischungen durften im Tempel nur von den Priestern verwendet werden. Weihrauch ist ein Symbol des Gottesdienstes und drückt die Beziehung zwischen Gott und uns aus. David sagt in Psalm 141,2: „Lass mein Gebet als Rauchopfer vor dir stehen“. Als Johannes einen Einblick in den Himmel hat, sieht er, wie ein Engel Räucherwerk auf den Altar legt und wie der Rauch mit den Gebeten der Gläubigen zu Gott aufsteigt (Off. 8,3-4). Das Geschenk symbolisiert, ein Leben im Dienst vor Gott.

Myrrhe
Das dritte Geschenk ist die Myrrhe. Myrrhe ist ebenfalls ein wohlriechendes Harz. Es stammt vom Myrrhebaum, wurde in der Antike aber im Gegensatz zu Weihrauch vor allem im Alltag verwendet. Man stellte Parfüm, Salböl und Betäubungsmittel daraus her.
Myrrhe wirkt auf der Haut desinfizierend, zusammenziehend und fördert die Narbenbildung. Sie besitzt eine blutstillende Wirkung. Myrrhe wirkt auch krampflösend und wird deshalb bei Darmerkrankungen eingesetzt. Als Myrrhentinktur hat die Myrrhe heute pharmazeutische Bedeutung bei Entzündungen der Mundschleimhaut.
Als Ester sich für die Begegnung mit dem König Ahasveros vorbereitete, badete sie zuerst ein halbes Jahr lang in Myrrheöl (Est. 2,12). Der Duft der Myrrhe soll zur nächtlichen Liebe angeregt haben (Spr. 7,17). Myrrhe hat auch eine betäubende Wirkung. Deshalb boten die Soldaten den Verurteilten vor der Kreuzigung ein Getränk aus Wein und Myrrhe an (Mk. 15,23).
Nikodemus salbte Jesus, nachdem er für uns am Kreuz gestorben war, mit einer Mischung von Myrrhe und Aloe ein. Doch Myrrhe wurde auch im heiligen Salböl verwendet, mit dem Könige, Priester und Propheten gesalbt wurden (griechisch: „Χριστός“, latinisiert „Christus“ – hebräisch: „Messias“ bedeutet „der Gesalbte“).
Das Geschenk Myrrhe weist auf das irdische Leben hin, mit all seinen schönen und bitteren Seiten. Myrrhe ist das Harz des Alltags.

Übrigens heißt es schon in Psalm 72,15: „Und er (Jesus) soll leben, und von dem Gold Schebas wird man ihm geben.“ Die Familie von Joseph hat zwar keinen Palast für den König der Welt, aber sie hatten genug zum Leben. Gott versorgt. Manchmal wünschen wir uns, die Sicherheit für unser Leben schon weit im Voraus zu haben. Es ist aber ein Geheimnis Gottes, dass er oft erst im entscheidenden Moment eingreift. Auch die Geschenke der Weisen kamen genau im richtigen Moment.

Text: Hanspeter Obrist

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Die „Heiligen Drei Könige“– drei Worte – drei Irrtümer
Dreikönigstag – Epiphanias

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