Gerechtigkeit und Barmherzigkeit

Geht das zusammen oder sind es Gegensätze?

In Lukas 6,36 sagt Jesus: „Seid barmherzig, wie es auch euer himmlischer Vater ist“.

Barmherzigkeit kann man nur in Anbetracht der Gerechtigkeit begreifen. Was sich zu wiedersprechen scheint, wird in der Barmherzigkeit vereint.

Gerechtigkeit bedeutet:

Gott vergisst nicht – wenn dir Unrecht getan wurde. Er sorgt zu seiner Zeit für die Wiedergutmachung und Herstellung.

Gott weiss – wo wir Unrecht getan haben. Er bezahlt dafür, wenn wir ihn darum bitten.

Paulus sagt das so: „Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteil werden“ (1.Korinther 4,5).

Wir stellen in unserem Kulturkreis die Gerechtigkeit mit einer Waagschale dar. So steht die Justitia in diesem Bild in Frankfurt am Main auf dem Gerechtigkeitsbrunnen.

Gerechtigkeit ist, wenn die Waagschale ausgeglichen ist. Wenn Gerechtigkeit herrscht, ist Frieden.

Interessant was Frieden, Schalom, in Hebräisch bedeutet. Die Wurzel des Wortes ist SLM. Das Verb dass daraus entsteht heisst: Leschalem und bedeutet bezahlen. Wenn ich bezahle, dann herrscht Ausgeglichenheit und es ist Friede – Schalom.

Durch das Kreuz hat Jesus bezahlt, für die Wiedergutmachung und die Schuld.

Jesaja 53,5: Er (Jesus) wurde blutig geschlagen, weil wir Gott die Treue gebrochen hatten; wegen unserer Sünden wurde er durchbohrt. Er wurde für uns bestraft – und wir? Wir haben nun Frieden mit Gott! Durch seine Wunden sind wir geheilt.

Interessant, in diesem Bild sieht man durch die Perspektive ein Kreuz.

Am Kreuz hat Jesus Gerechtigkeit hergestellt.

Heilung Wiedergutmachung geschieht, wenn ich die Wiederherstellung nicht von Menschen, sondern von Gott erwarte. Niemand kann, das was dir angetan wurde wieder gut machen, als allein Gott. „Durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jesaja 53.5). Das müssen wir bewusst wollen. Gott drängt sich niemandem auf.

Sünde, bedeutet vom Ursprung her Zielverfehlung und kommt aus der Bogensprache. Wenn wir also so leben, wie es Gott bei unserer Erschaffung nicht vorgesehen hat, dann ist das Sünde. Unsere Zielverfehlung, der Treuebruch zu Gott, wird bezahlt (leschalem), indem Jesus für uns starb, wenn wir das wollen.

Jesus stellt mich her und er stellt andere her, an denen ich schuldig geworden bin.

Reporter hatten vor einem Prozess herausgefunden, dass der Richter und der Angeklagte Studienfreunde sind. Daher war der Gerichtssaal voll Neugieriger. Was würde der Richter tun? Der Prozess lief völlig korrekt ab. Das Urteil lautete auf eine hohe Geldstrafe. Da man im Voraus wusste, dass der Verurteilte nicht bezahlen konnte, standen die Justizbeamten schon bereit, um ihn abzuführen.

Nachdem der Richter seine Robe abgelegt hatte, trat er vor seinen Freund und sagte: „Glaubst Du noch, dass ich Dein Freund bin?“ Ein wütender Blick war die Antwort. Der Richter fuhr fort: „Eben war ich Dein Richter. Ich konnte als Richter nicht anders handeln. Als Richter muss ich ein gerechtes Urteil sprechen. Aber jetzt will ich Dir zeigen, dass ich Dein Freund bin.“

Vor den Augen seines Freundes stellte er einen Scheck auf den hohen Betrag aus, zu dem er ihn gerade verurteilt hatte. Für den Richter war das ein großes finanzielles Opfer. Er hielt dem Verurteilten den Scheck hin. Beschämt zögerte dieser, ihn anzunehmen. Schließlich nahm er den Scheck dankend und vertrauensvoll von seinem Freund, dem Richter, an. Als freier Mann konnte er das Gericht zusammen mit seinem Freund verlassen. Die Strafe hatte ein anderer bezahlt. mehr Informationen

Gott richtet gerecht, doch wer Jesus zum Freund hat, für den ist er bereit aus Liebe zu bezahlen. Sein Angebot kann man annehmen oder ablehnen. Die Wahl hat jeder Mensch in seinem Leben. Wer Jesus in sein Leben einlädt, den verändert er durch den Heiligen Geist. Und den trägt er durch bis in alle Ewigkeit.

Barmherzigkeit heisst nicht ein Auge zudrücken oder eine 5 gerade sein lassen. Gott könnte ja einfach ein Auge zudrücken, das macht er nicht.

Barmherzigkeit heisst: Ich bezahle für dich. Ich schenke dir, was du verloren hast deine Würde, deine Achtung. Ich gebe dir neue Aufgaben. Ich rüste dich mit einer neuen Kraft aus.

Treffend beschreibt uns Jesus Gottes Barmherzigkeit in der Geschichte vom barmherzigen Vater mit seinen zwei Söhnen.

Hier ist ein Bild von Rembrandt.

Barmherzigkeit lässt los, wartet, nimmt auf, freut sich, stellt wieder her.

Jesus fordert uns auf in Lukas 6,36: „Seid barmherzig, wie es auch euer himmlischer Vater ist“.

 

Der barmherzige Vater
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