Gaza Update Woche 6

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Gaza Update Woche 6

Montag 18.8.14

Heute um 24 Uhr Lokalzeit läuft die Waffenruhe aus. Bis jetzt wurde noch nicht über eine Verlängerung verhandelt. Das dürft aber heute das Thema sein.

Hamas Sprecher Sami Abu Zuhri sagte am Sonntag, dass das erst der Beginn der Befreiung war und die nächste Schlacht auf dem Boden von Ashkelon stattfinde und nicht mehr in Gaza.  Ein Hamas-Vertreter teilte nach Angaben israelischer Medien vom frühen Montagmorgen auf seiner Facebook-Seite mit, Israel habe mit Änderungen am Papier der ägyptischen Vermittler die Verhandlungen wieder an den Anfang zurückgeworfen. Ohne Ergebnis werde es womöglich keine erneute Verlängerung der Waffenruhe geben.

„Wenn die Hamas glaubt, sie könnte eine militärische Niederlage in einen diplomatischen Erfolg verwandeln, dann irrt sie“, sagte Netanjahu.  Israel werde auch künftig hart auf Raketenangriffe aus dem Gazastreifen reagieren und sich von der Hamas nicht einschüchtern lassen.

Der israelische Geheimdienstminister Juval Steinitz bezeichnete einen von der Hamas geforderten See- und Flughafen in Gaza am Sonntag als „Duty-Free-Shop für Raketen“. Israel dürfe die Forderung nach einer Entmilitarisierung des Gazastreifens nicht aufgeben.

Sonntag 17.8.14

Die gegenwärtige Waffenruhe läuft am Montagabend um 24 Uhr Lokalzeit aus. Israels Ministerpräsident Netanjahu drohte der Hamas mit einer harten Reaktion, sollte es erneut zu Angriffen auf Israel kommen.

Hamas-Sprecher Osama Hamdan wurde im israelischen Rundfunk mit den Worten zitiert: «Israel hat zwei Möglichkeiten: Unseren Forderungen zustimmen oder sich auf einen Abnutzungskrieg vorzubereiten.» Beide Seiten wollten ihre indirekten Gespräche an diesem Sonntag in Kairo fortsetzen.

Die Menschen im Gazastreifen rechnen offenbar noch nicht mit einem dauerhaften Ende der Kämpfe. Chris Gunness, Sprecher des UNO-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA), schrieb auf Twitter, viele Familien würden nur kurz zu ihren Häusern gehen und dann in die UNRWA-Einrichtungen zurückkehren.

Die EU-Aussenminister hatten am Freitag die Lage im Gazastreifen als «desaströse humanitäre Situation» kritisiert. Sie forderten eine Entwaffnung der militanten Gruppen in dem Gebiet. Das Aussenministerium in Jerusalem begrüsste dies.

Die intensive Bombardierung des Gazastreifens hat keine Kapitulation der Hamas gebracht. Auf der andern Seite war die intensive Raketenkampagne der Hamas auch kein Erfolg. Der überwältigende Erfolg war der „Iron Dome“. Doch über das Ganze gesehen ist es eine Pattsituation. Wenn eine winzige Kampfkraft in einem winzigen Gebiet eine Pattsituation mit einer der mächtigsten Armeen der Welt erreicht, so könnte dies als Sieg angesehen werden.

Die israelische Führung, beide die politische und militärische, weiß nicht wirklich, wie sie mit der Hamas umgehen soll. Alle israelischen Experten stimmen darin überein, dass, falls das Hamas-Regime im Gazastreifen fallen würde, weit extremere islamische Splittergruppen den Streifen mit seinen 1,8 Millionen Bewohnern übernehmen und in ein komplettes Chaos führen würde. Eine neue permanente Besatzung des Gazastreifens ist ein militärischer Alptraum. Ein dauernder Guerillakrieg würde daraus folgen. Keiner in Israel würde dies wirklich wollen. Es wird kein Ende geben, nur eine Runde nach der anderen, wenn nicht ein politischer Kompromis gefunden wird.

Samstag 16.8.14

Israelische Medien berichten, dass die Terroristen im Gazastreifen in den vergangenen Wochen Dutzende von Arbeitern hingerichtet haben, die am Bau der unterirdischen Terrorverstecke beteiligt waren. Außerdem sollen zahlreiche palästinensische Kinder beim Tunnelbau getötet worden sein. Schon vor zwei Jahren seien rund 160 Kinder bei Tunnelarbeiten ums Leben gekommen, viele beim Einsturz von unterirdischen Gängen. Die Todesopfer seien von der Hamas zu Märtyrern erklärt worden, ihre Eltern hätten eine finanzielle Entschädigung erhalten, hieß es. Für den aufwändigen Bau der Terror-Tunnel habe die Hamas 40 Prozent ihres Budgets verwendet, berichtet die Online-Zeitung Times of Israel.

Freitag 15.8.14

Die Terrorgruppen im Gazastreifen und Israel wollen in der Nacht zum Sonntag ihre indirekten Gespräche über eine längerfristige Lösung des Konflikts in Kairo fortsetzen.

Ziad Nahalla, Chef des Islamischen Dschihad, erläuterte, beide Seiten hätten sich über die Öffnung der Grenzübergänge verständigt. Es gebe Lockerungen der Import-Beschränkungen, mehr Einfuhr von Baumaterialien nach Gaza, und die Fangzone für Fischer im Mittelmeer solle ausgedehnt werden. „Diese Vereinbarung bringt uns weg vom Krieg, hin zu einer Phase der Entspannung,“ so Nahalla. Zudem behauptete er, dass Ägypten geholfen habe, Israels Forderungen nach einer vollständigen Entwaffnung der Terrorgruppen in Gaza abzuschmettern.

Israelis haben am Donnerstagabend bei einer Demonstration in Tel Aviv eine dauerhafte Lösung für die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen gefordert. Der Bürgermeister von Sderot mahnt israelische Führung zum Handeln. Alon Davidi, erklärte: „Wir werden die fortgesetzten Mordversuche von Gaza nicht dulden.“  Er fügte hinzu: „Wir wollen ein sicheres, ruhiges Leben, damit wir uns entwickeln und gedeihen können. Wir haben die Versprechungen und Erklärungen satt. Jeglicher Kompromiss, der gemacht wird, bedeutet einen Kompromiss über unsere Leben und unsere Zukunft. Unser Blut ist nicht billig!“ Angesichts fortwährender Raketenangriffe aus dem Palästinensergebiet fordern die Einwohner des Grenzgebiets mehr Sicherheit. Aus dem gesamten Land waren zwischen 10.000 und 15.000 Israelis zu der Solidaritätsveranstaltung gekommen. Auf Transparenten war unter anderem zu lesen: „Auch Bewohner an der Gaza-Grenze sind israelische Bürger!“, „Eine einzige Rakete ist schon zu viel“ oder „Wir vertrauen auf die israelischen Armee“.

Donnerstag 14.8.14

Nach Kanal 2 haben soll zwischen Israel und den Palästinensern eine Vereinbarung gefunden worden sein, die aber durch Maschaal torpediert wurde. Maschaal residiert in Katar und vertritt eine andere Sicht als die Hamas in Gaza.

Hamas wollte ein 72 Stunden Waffenruhe, Israel hat 5 Tage gefordert.

Die Zeitung Yediot Aharonot befragte mehrere Reporter nach ihrer Rückkehr aus dem Gazastreifen. Auf die Frage, warum sie nicht darüber berichtet hätten, wie die Hamas Zivilisten als Schutzschilde missbraucht, erklärte ein anonym bleibender spanischer Journalist, die Reporter hätten Angst um ihr Leben. „Wir haben die Männer der Hamas gesehen. Aber hätten wir unsere Kameras auf sie gerichtet, hätten sie das Feuer auf uns eröffnet und uns getötet.“

Ein Reporter des indischen Privatsenders NDTV zeigt nach seiner Rückkehr aus Gaza auf einem Video, wie die Hamas Raketen aus dicht bewohntem Gebiet abfeuert. Die Islamisten versteckten die Abschussrampe unter einem Zelt. Um das Zelt herum seien viele Hotels und Wohnungen angesiedelt. „Sollte sich Israel dazu entschließen, das Feuer zu erwidern, hätte das ernsthafte Konsequenzen für die Sicherheit der Bewohner hier“, so der Inder.

Gallagher Fenwick ein französischer Korrespondent sagt zum Fernsesender France24: „Raketen werden direkt neben Gebäuden mit einer Menge Einwohner abgefeuert.“

Der italienische Journalist Gabriele Barbati twitterte nach seiner Rückkehr aus Gaza: „Raus aus Gaza, weg von der Hamas -Vergeltung: fehlgeleitete Rakete tötet gestern Kinder in Schati. Ich bin Zeuge: Militante kamen und beseitigten die Trümmer.“

Nachdem die UN Israel und die USA dafür kritisiert haben, dass Gaza kein Schutzschild hat, hier ein Vorschlag einer Umsetzung.

Acht Raketen sind in der Nacht vom Mittwoch auf den Donnerstag trotz „Feuerpause“ aus dem Gazastreifen nach Israel geflogen. Israel antwortete mit Gegenschlägen.

Mittwoch 13.8.14

Der Iron Dom holt eine Rakete vom Himmel. Zwei Raketen schlagen in unbesiedeltem Gelände ein.

24 Uhr Lokalzeit: Ein palästinensischer Abgeordneter spricht von 5 Tagen Verlängerung. Totzdem fliegen weitere Raketen nach Israel.

Israelis und Palästinenser haben kurz vor Ablauf der Feuerpause einer Verlängerung der Feuerpause um 72 Stunden zugestimmt. Zuvor flogen erstmals seit drei Tagen wieder Raketen nach Israel.

Ca. 21.45 Uhr lokale Zeit schlägt die erste Rakete der Hamas nach der Feuerpause wieder in Israel bei Aschkelon ein. Eine zweite folgt gleich einige Minuten später im Süden.

Die Hamas lehnt eine Verlängerung der dreitägigen Waffenruhe ab, die am Mittwoch um 00.00 Uhr Ortszeit endet.

Die Hamas besteht weiterhin auf einer vollen Auflösung der Gaza-Blockade, einem offenen Hafen und einer freien Fischereizone bis 12 Meilen vor der Küste. Darüber hinaus verweigert die Hamas eine Entmilitarisierung des Gazastreifens und fordert Israels 500 Meter breite Sicherheitszone am Grenzzaun zurück. Viele ultimative Vorstellungen der Hamas , darunter eine Öffnung des Grenzübergangs in Rafah zum Sinai oder der Bau eines Seehafens, tangieren nach Ansicht Kairos ägyptische Interessen mehr als die israelischen.

Ein Sprecher der Hamas sagte im israelischen Rundfunk: „Die Ägypter hassen die Hamas“. Sie seien keine „ehrlichen Vermittler“. Die Ägypter würden „härtere Positionen überbringen, als die Israelis tatsächlich vertreten“. Der Hamas -Vertreter verlangte, dass europäische Vermittler an die Stelle der Ägypter treten sollten. Als Alternative empfahl er, dass die Israelis ihre Antworten in Hebräisch aufschreiben und im Wortlaut an die Hamas -Vertreter überbringen lassen sollten. Hamas würde lieber mit Israel direkt verhandeln, anstatt die Ägypter als „kaputte Telefonleitung“ zu benutzen.

Nach israelischen Angaben haben militante Palästinenser in den vergangenen vier Wochen fast 3500 Raketen Richtung Israel abgeschossen. Der palästinensische Delegationschef Asam al-Ahmed sagte der Online-Zeitung «Times of Israel», es gebe Fortschritte bei den Verhandlungen. Dennoch sei «die Kluft groß».

Die Herrschaft der Hamas sei vorbei, sagte Al-Ahmed der «Times of Israel». In Zukunft werde die Autonomiebehörde nicht nur im Westjordanland die Hoheitsgewalt haben, sondern auch in Gaza.

Die Hamas warf Israel am Dienstag einen Bruch der Feuerpause vor. Nach Augenzeugenberichten gaben Schiffe Schüsse auf einen Küstenstreifen im Süden Gazas ab. Eine Sprecherin der Armee sagte, die Schüsse seien in die Luft gefeuert worden. Die «Warnschüsse» hätten ein Motorboot daran hindern sollen, die von Israel vorgegebene Fangzone im Mittelmeer zu durchbrechen.

Dienstag 12.8.14

Mittwoch-Abend um 24 Uhr endet die 72-stündige Feuerpause. Alles ist noch offen. Saudi-Arabien sagt: Nur ein Friedensabkommen kann das Überleben Israels sichern.

Der Verteidigungsminister Moshe Ya’alon sagte bei einem Besuch der Marinebasis in Aschdod: „Die Operation ist noch nicht vorbei, aber Hamas und seine Verbündete haben einen harten Schlag erlitten. Der Schaden ist grösser als Pillar of Defence, Operation Cast Lead und dem Libanon-Krieg 2006.“

Die Hamas hat offenbar zahlreiche Tunnelarbeiter hingerichtet, die sie der Zusammenarbeit mit Israel verdächtigte. Dies berichtet die israelische Nachrichtenseite Mako unter Berufung auf einen Kollaborateur aus dem Gazastreifen. Die Arbeiter hätten acht bis zwölf Stunden am Tag gearbeitet. Dafür hätten sie 150 bis 300 Dollar pro Monat erhalten. Im Jahr 2012 befasste sich das „Journal of Palestine Studies“ mit den unterirdischen Gängen im Gazastreifen. Demnach waren bis dahin 160 palästinensische Kinder während Arbeiten am Tunnelsystem zur Ägyptischen Grenze getötet worden.

Das ägyptische Außenministerium sagte am Dienstag, dass die Diskussion zwischen Ägypten und der Palästinensischen Autonomiebehörde in Bezug auf den Grenzübergang Rafah noch nicht begonnen haben. Für sie ist die Waffenruhe noch zu brüchig. Hamas verlangt als Vorbedingung für eine Waffenruhe, die Öffnung vom Grenzübergang Rafah.

Senior Hamas-Funktionär Abu Mousa Marzook sagte am Dienstag in Kairo: „Dies ist der zweite und letzte Waffenstillstand. Was es jetzt braucht ist, dass das palästinensische Volk bekommt, was es will.“

Montag 11.8.14

Eine türkische Hilfsorganisation sagte am Montag, sie werde wieder Schiffe nach Gaza schicken, um die israelische Blockade des palästinensischen Gebiets herauszufordern. Schon vor vier Jahren wurde eine Flotte entsandt, welche die politischen Beziehungen stark belasten. Hamas hofft, dass sie nun von Erdogan nach seiner erfolgreichen Wahl zum türkischen Präsidenten mehr Unterstützung erfahren.

Israel testet ein neues System, dass mit seinen empfindlichen Sensoren unterirdische Hohlräume erkennen kann. Damit sollen die Tunnels der Hamas, welche nach Israel reichen, entdeckt werden. Während der Bodenoffensive, die die israelische Armee am 17. Juli eingeleitet hatte, ist es gelungen, 32 Tunnel zu zerstören, hatte das Militär mitgeteilt. Nach Schätzungen des israelischen Militärs hat es die Hamas 90 Millionen Dollar gekostet, die 32 Tunnel zu bauen, die jetzt entdeckt wurden. Im Schnitt brauche man für einen Tunnel 350 Lkw-Ladungen voller Baumaterialien. Das reiche aus, um 86 Wohnhäuser, sieben Moscheen, sechs Schulen oder 19 Kliniken zu bauen, rechnet die israelische Armee vor. Einige der Baustoffe für die Stollen stammten allerdings aus Lieferungen, die von internationalen Hilfsorganisationen eigentlich für Entwicklungsprojekte in Gaza vorgesehen gewesen wären. Abertausende Unterstützer (oder Zwangsarbeiter?) hätten dabei mitgeholfen, die Tunnel zu errichten, hatte Muschir al-Masri, ein führender Hamas-Vertreter, jüngst mitgeteilt.

Ein hoher Beamter der Hamas, Izzat al-Rishq, sagte am Sonntag, dass wenn eine permanente Vereinbarung nicht während dem aktuellen Waffenstillstand unterzeichnet wird, die Palästinenser den Verhandlungstisch verlassen werden. Das sei die letzte Waffenruhe.

Bis jetzt hält die Waffenruhe.

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