Fakten zum Wasserstreit in der Westbank

Die Stadt Salfit (10 000 Einwohner) im Westjordanland leidet an Wassermangel – laut ARD wegen israelischer „Machtspiele“.

Doch zuständig hier wäre eigentlich die palästinensische Seite, sagt Haim Gvirtzmann zu BILD. Ein Komitee ist dafür zuständig. Doch dieses konnte seit fünf Jahren nicht mehr tagen, weil sich die palästinensische Seite weigere, so die „Jerusalem Post“.

Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) habe Israel in vielen Fällen keine Genehmigung zur Erneuerung der Infrastruktur erteilt.

Folge: Engpässe bei der Versorgung, insbesondere weil die Infrastruktur durch massiven Wasserdiebstahl zerstört werde.

Die jüdischen Siedlungen, die laut ARD keinen Mangel erleiden würden, sind davon genauso betroffen.

„Laut dem Wasserabkommen von 1995 ist die Palästinensische Autonomiebehörde für die Wasserversorgung in der Westbank zuständig. Im Falle von kaputten Leitungsrohren und ähnlichem ist es in ihrer Verantwortung, diese zu reparieren“, sagt Uri Schor, Sprecher der israelischen Wasserbehörde zu BILD.

Weitere Brunnen würden nicht gebohrt werden, weil es laut Oslo-Verträgen genau vereinbarte Orte (und Anzahl) für Brunnen gebe. Man kann aus dem Grundwasser nicht mehr Wasser abpumpen als natürlich jedes Jahr nachfließt.

Israel versorgt Israel das Westjordanland laut COGAT mit jährlich etwa 64 Millionen Kubikmetern Wasser – das sind 33 Millionen mehr als in den Oslo-Verträgen vorgesehen.

Insgesamt verfügt die palästinensische Seite etwa 110 Millionen Kubikmeter pro Jahr für Haushalte, und 100 weitere Millionen für Landwirtschaft, sagte die israelische Wasserbehörde auf BILD-Anfrage. Insgesamt 143 Liter pro Kopf pro Tag.

Dass durch Misswirtschaft und kaputte Leitungen höchstens 80 Prozent davon bei den Menschen ankommen, liege jedoch in der Verantwortung der Palästinensischen Behörden.  

Israel bezuschusst auch die Wasserversorgung der Palästinensischen Autonomiegebiete mit 18,9 Millionen US-Dollar jährlich, so eine Übersicht des israelischen Außenministeriums (2013). Und zwar auch aus der Tasche der israelischen Wasserverbraucher, die zehn Schekel (2 Euro) pro Kubikmeter zahlen, wovon 0,2 Schekel in die Subventionierung der palästinensischen Wasserversorgung fließen.

Diese sieben Fakten müssten in jeder Debatte über die Wasserversorgung der Palästinenser berücksichtigt werden.

1. 1995 wurde das Interimsabkommen zwischen Israel und den Palästinensern geschlossen, auf dem die gemeinsame Wasserpolitik beruht. Demnach stehen den Palästinensern 196 Millionen Kubikmeter Frischwasser pro Jahr aus dem geteilten Grundwasser-Reservoir, dem Bergaquifer, zu, hinzukommen 64 Millionen Kubikmeter aus Israel. Laut Abkommen wurden 40 Stellen in den Bergen um Hebron festgelegt, an denen in das Grundwasser gebohrt werden darf.

Doch laut einer weiteren Abhandlung von Prof. Gvirtzmann haben die Palästinenser in den vergangenen 20 Jahren erst ein Drittel dieser Stellen angezapft, obwohl ihnen sogar internationale Fördergelder dafür zustehen. Stattdessen haben sie in dem Teil des Reservoirs gebohrt, der das Grundwasser für Israel liefert. Würden sie stattdessen in dem ihnen zugeteilten östlichen Teil die 40 abgemachten Stellen anbohren, könnte ihnen das weitere 50 Millionen Kubikmeter Wasser bringen.

2. Die palästinensischen Behörden reparieren die löchrigen Wasserleitungen nicht. Bis zu 33 Prozent der Wasserversorgung würden so verloren gehen (Verlust in Israel: 10 Prozent). Selbst wenn sie nur die Hauptleitungen reparierten, könnte ihnen das schon 10 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr mehr einbringen.

3. Trotz Verpflichtung im Osloer Abkommen (und zugesicherten Hilfsgeldern) bauen die Palästinenser keine Kläranlagen. Abwasser fließt direkt in kleine Flüsse, verschmutzt die Umwelt und das Grundwasser. Erst in den vergangenen Jahren konnte Israel die Palästinenser zu ersten Schritten bewegen. Würden sie allein ihr städtisches Abwasser klären, brächte ihnen das weitere 30 Millionen Kubikmeter pro Jahr ein, die sie für den Ausbau ihrer Landwirtschaft nutzen könnten.

4. Die Palästinenser weigern sich jedoch bisher, ihre Felder mit geklärtem Wasser zu beackern. Das Angebot Israels, recyceltes Wasser für die Landwirtschaft zu liefern, lehnten die Palästinensische Behörden aus politischen Gründen ab. Stattdessen wird Frischwasser verwendet, wodurch weniger Wasser für die Haushalte zur Verfügung steht.

5. Durch zeitgemäße landwirtschaftliche Bewässerungsmethoden könnten palästinensische Bauern um die Hälfte weniger Wasser verbrauchen. Viele Bauern würden ihre Felder fluten, statt Tröpfchentechnik zu verwenden. Mit Tröpfchentechnik würden sie 10 Millionen Kubikmeter sparen. Nichtsdestotrotz ist die palästinensische Landwirtschaft sowohl qualitativ als auch quantitativ so hochwertig wie nie zuvor, so die Wasserbehörde.

► 6. Die Westbank ist seit Jahrhunderten besetzt, erst von den Osmanen, dann von den Briten und seit dem Sechs-Tage-Krieg von Israel.  Aber erst unter der israelischen Besatzung – die laut den Befragten im ARD-Beitrag an allem Schuld sei – wurden fast alle Haushalte an die Wasserversorgung angeschlossen. 1967 waren nur zehn Prozent der palästinensischen Haushalte an die Wasserversorgung angeschlossen. Bis 2010 waren es 96 Prozent. Ein extrem hoher Wert in der Region.

 7. Nur in Israel, der Westbank und in den Golfstaaten gibt es ausreichend, sicheres und trinkbares Leitungswasser in 96 Prozent der Haushalte. Die Bewohner in fast allen Ländern der Region leiden unter schlimmem Wassermangel.

Israel hat die Jahre der Dürre durch Technologie überwunden und ist jetzt sogar Wasserexporteur.  mehr Informationen

 

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