Es brodelt auf der Welt

In SYRIEN und im IRAK schwelt ein Konflikt mit einem hohen Potenzial zu einem Flächenbrand. Es stehen sich die alawitische Regierung (mit den Russen und Schiiten-Miliz Hizbollah und Iran), sunnitische Rebellen (FSA – Al Qaida mit Saudia-Arabia und dem Westen), der sunnitische Islamische Staat und die Kurden gegenüber. Die westliche Invasion ist nach internationalem Recht illegal, auch wenn sie sich nur gegen die Dschihadisten und nicht gegen die syrische Regierung richtet. Es sei denn, der syrische Machthaber Baschar al-Assad würde seine Zustimmung dafür geben. Diese hat er jedoch den Russen zugesprochen.

NIGERIA: Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram will in Nigeria und angrenzenden Gebieten der Nachbarländer Kamerun, Tschad und Niger einen «Gottesstaat» errichten, mit strengster Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia. Im Nordosten Nigerias verübt die Gruppe fast wöchentlich blutige Anschläge und Angriffe. Seitdem die sunnitischen Fundamentalisten im März dem Islamischen Staat (IS) einen Treueschwur leisteten, gilt Boko Haram als deren westafrikanischer Ableger. Die Gruppe hat seit 2009 Schätzungen zufolge 14’000 Menschen getötet. Rund 2,5 Millionen Menschen sind vor ihrer Gewalt geflohen.

LIBYEN: Fünf Jahre nach dem Sturz vom Diktator Muammar al-Gaddafi ist Libyen ein sogenannter «failed state» (gescheiterter Staat). Es stehen sich eine islamistische und eine weltliche Führung gegenüber. Der Ableger vom IS wird im Land immer stärker. Libyen gilt als Rückzugsgebiet für IS-Kader aus Syrien und dem Irak.

JEMEN: Im jemenitischen Bürgerkrieg sind bereits mehr als 5800 Menschen gestorben. Die schiitischen Huthi-Rebellen kontrollieren weite Teile vor allem im Norden. Die regimetreuen Truppen werden seit März 2015 von Luftschlägen einer saudi-arabisch geführten, sunnitischen Militärkoalition unterstützt. Durch die Bombenangriffe wurden Tausende Zivilisten getötet.

AFGHANISTAN: Der Konflikt, von dem die Welt gehofft hatte, sie könne ihn nun der afghanischen Regierung überlassen, flammt wieder voll auf. Die Taliban kontrollierten jetzt so viel Territorium wie seit 2001 nicht mehr. In 2015 allein starben mehr als 7000 Polizisten und Soldaten – Tausende Zivilisten wurden getötet oder verwundet. Auch der IS versucht, sich dort auszubreiten. Nach Schätzungen zählt er dort bisher 1000 bis 3000 Kämpfer.

ISRAEL/PALÄSTINA: Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern schwelt schon seit Jahrzehnten. 1993 hatten beide Seiten einen Friedensprozess begonnen, der versandet ist, weil Arafat und Abbas sämtliche Vorschläge abgelehnt haben, welche ein Existenzrecht eines jüdischen Staates anerkennen. Wenn eine Zweistaatenlösung, dann nur als nichtjüdischer Staat neben einem judenreinen Palästina. Seit Oktober gibt es eine neue Serie palästinensischer Anschläge. Als gefährliches Pulverfass und möglicher Auslöser für einen Flächenbrand gilt der Tempelberg in Jerusalem.

In der TÜRKEI herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände. In kurdischen Städten im Südosten geht das Militär seit Mitte Dezember gegen Kämpfer der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vor. Die zweitgrößte Armee der Nato setzt dabei Kampfpanzer in Wohngebieten ein. Der Konflikt spaltet die polarisierte Gesellschaft weiter. Experten befürchten, dass der Konflikt auch den Westen des Landes erfasst.

UKRAINE: Bei den Kämpfen zwischen ukrainischen Regierungseinheiten und prorussischen Separatisten im Unruhegebiet Donbass starben seit April 2014 mehr als 9000 Menschen. Unter Vermittlung Angela Merkel und Wladimir Putin entstand im Februar 2015 in Minsk ein Friedensplan, der etwa eine Waffenruhe und politische Schritte vorsieht. Keiner der 13 Punkte wurde bisher vollständig umgesetzt. Beobachter fürchten, dass aus dem Krieg ein «eingefrorener» Konflikt werden könnte. Wegen der russischen Ukraine-Politik und der Annexion der Krim hat der Westen Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland verhängt.

NORDKOREA: Nordkoreas Raketen- und Atomprogramm als Bedrohung angesehen. Sollte die als unberechenbar geltende Diktatur in den Besitz atomarer Mittelstreckenraketen kommen, wäre nicht nur Südkorea bedroht. Auch ist Nordkorea dabei, Interkontinentalraketen zu entwickeln.

SÜDCHINESISCHES MEER: Im Südchinesische Meer streitet sich China mit einer ganzen Reihe seiner Nachbarn um Territorien: Die Volksrepublik beansprucht 90 Prozent des 3,5 Millionen Quadratmeter großen Gebietes, darunter Inseln und Riffe, die teils mehr als 800 Kilometer von der chinesischen Küste entfernt liegen. Dagegen protestieren unter anderem Vietnam und die Philippinen. Zusätzliches Konfliktpotenzial birgt die Einmischung der USA, die vergangenes Jahr mit der Durchfahrt eines Kriegsschiffes und Überflügen von B52-Bombern chinesischen Unmut provozierten. Washington will damit unterstreichen, dass sie das Seegebiet für international hält.  mehr Informationen

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