Entfernung der Wittenberger Judensau

In der Stadt Wittenberg befindet sich eine „Judensau“ aus dem Jahr 1305 (also vor der Reformation). Diese befindet sich an der Außenwand der Stadtkirche zu Wittenberg, in der auch Martin Luther einst gepredigt hat. Die Judensau ist eine Sandsteinskulptur, die einen Rabbiner dabei zeigt, wie er einem Schwein unter den Schwanz schaut. Zudem sind mehrere Juden dabei abgebildet, wie sie an den Zitzen der Sau trinken. Auf der Inschrift über dieser Skulptur steht „Rabini Shem hamphoras“. Dies ist eine etwas unverständliche Inschrift, die wahrscheinlich „shem ha-meforasch“ heißen soll. Dies bedeutet übersetzt „der volle ausgesprochene Name (Gottes)“. Die Skulptur ist eine von vielen, die in Deutschland noch immer in oder an Kirchengebäuden zu sehen sind.

In seinem Buch „Vom Schem Hamphoras“ (1543) kommentiert Luther die Judensau. Er greift den Antisemitismus des Bildnisses auf und erwidert diesen, wobei er sogar den Talmud in das Innere des Schweines setzt:

„Es ist hier zu Wittenberg an unserer Pfarrkirche eine Sau in Stein gehauen, darunter liegen junge Ferkel und Juden, die saugen, hinter der Sau stehet ein Rabbiner, der hebt der Sau das rechte Bein empor, und mit seiner linken Hand zeucht er den Pirtzel über sich, bückt und kuckt mit großem Fleiß der Sau unter dem Pirtzel in den Talmud hinein, als wollt‘ er etwas Scharfes und Sonderliches lesen und ersehen. Daher haben sie gewisslich ihr Schem Hamphoras.“

Diese vorreformatorische Skulptur ist bis heute ein Stein des Anstosses und verspottet den jüdischen Glauben. Sie soll entfernt werden, fordert eine Pedition.  Link zu Pedition.

Die Frankfurter Allgemeine (FAZ) fordert dagegen:

Mit Hinweis auf das nahende Reformationsjubiläum fordert nun der Londoner Theologe Richard Harvey, das Relief zu entfernen, weil es „bis heute ein Angriff auf Juden“ sei. Es solle, heißt es in der in vielen Sprachen publizierten Petition, „an einem anderen Ort in einem Rahmen ausgestellt werden, in dem der historische Bezug hergestellt werden kann“. Dabei übersieht Harvey, dass dieser Bezug an keinem Ort deutlicher und mit mehr aufklärerischem Gewinn hergestellt werden kann als an der Kirche, für die das Werk in propagandistischer Absicht geschaffen wurde – und wo es heute zu Diskussionen über Wurzeln und Folgen des Antisemitismus anregen kann. Das mittelalterliche Bildmotiv der Judensau findet sich an und in mehreren Dutzend Kirchen Europas. mehr Informationen

Also das vorreformatorische Motiv soll aufzeigen, das die Reformation und auch die heutige Kirche nicht bereit ist, antisemitische vorreformatorische Proklamationen zu entfernen. Das stellt den Bildersturm der reformierten Kirche in der Schweiz in eine neues Licht.

Interessant ist auch, dass es in Deutschland immer noch verboten ist, eine Hitlerfahne darzustellen.

Ist die Judensau wirklich ein schützenswertes Objekt oder ein Stein des Anstoßes den man entfernen soll?

In Basel Schweiz wurde die Abbildung einer geschnitzten «Judensau» im Münster 1996 entfernt.

„Basler Judensau“ im Basler Münster
(1432 – entfernt 1996, Foto: Samuel Althof)

Bericht vom MDR vom   Di 11.10.   19:00Uhr   02:05 min: http://www.mdr.de/mediathek/mdr-videos/a/video-53556.html

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2 Gedanken zu „Entfernung der Wittenberger Judensau“

  1. Sehr geehrte Leser,

    ich bin für Toleranz und Respekt halten gegenüber Andersgläubigen, darum sollte man weder die Juden mit Thora noch die Muslime mit Mohamedkarikaturen in den Dreck ziehen. Es tut mir weh den Respektlosigkeit. Ich handle nach Michael 6: „Recht tun, Liebe und demütig sein“
    Allen Menschen Hoffnung und alles Gute! Silvia Freund

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