Ein Boykott israelischer Produkte aus den Siedlungen im Westjordanland trifft in erster Linie palästinensischen Arbeiter

Jährlich werden ca. 23.000 Arbeitsbewilligungen ausgestellt, also nicht weniger als 7% der palästinensischen Arbeitskräfte arbeiten in Fabriken im Westjordanland. Dazu kommen weitere 16%, die im israelischen Kernland oder den Siedlungen arbeiten. Laut dem Palästinensischen Büro für Statistiken ist der Lohn dieser Arbeit zweimal so hoch wie derjenige, den sie in den Palästinensischen Autonomiegebieten erhalten würden. Gegenüber dem Lohn im Gazastreifen ist er gar dreimal so hoch. Dieser Arbeit nachzugehen ist für viele Palästinenser überhaupt der einzige Weg, um finanziell wenigstens einigermassen über die Runden zu kommen. Und weil die Palästinensische Regierung trotz Verbots solcher Tätigkeiten keine Alternative (Jobs oder Entschädigungen) anbietet, wird sich dies auch künftig nicht ändern.

HEKS (Hilfswerk der Evangelischen Kirche Schweiz) feiert die Entscheidung der Migros als Erfolg der eigenen antiisraelischen Aktivitäten. HEKS und BDS kämpfen für die gleiche Sache – gegen Israel, nicht für Palästina (BDS = Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen). HEKS’ Aufruf, sämtliche Produkte aus dem Sortiment zu nehmen, ist nichts weiter als ein Aufruf zum Boykott. Das HEKS hat keinen Auftrag, gibt aber dennoch Spenden und Steuergelder für eine politische Kampagne aus.

Es geht dem HEKS hier nicht um die Menschen. Ginge es aber nach dem HEKS, würden Schweizer Detailhändler durch den Boykott von israelischen Produkten aus dem Westjordanland, die wirtschaftlich prekäre Situation für viel Palästinenser noch verschärfen. Das ist kein pro-palästinensisches Engagement.

Ein sozialerer Ansatz wäre, israelisch-palästinensische Wirtschaftskooperationen zu fördern, um sozialen und wirtschaftlichen Wohlstand zu schaffen. Und dann eine dauerhaft für beide Seiten annehmbare politische Lösung anzustreben. Da wo man miteinander arbeitet und voneinander profitiert, kämpft man nicht mehr gegeneinander.

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Ein Gedanke zu „Ein Boykott israelischer Produkte aus den Siedlungen im Westjordanland trifft in erster Linie palästinensischen Arbeiter“

  1. Ich lebe hier in Israel, aber nicht in einem Judenstaat! Ich bin kein Fan von BDS, aber zum Teil befürworte ich Boykottmaßnahmen gegen den israelischen Staat und das israelische Kapital. Leider müssen wir selber hier zugeben: Dieser Staat wir sich nicht mehr am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen, in dem es seit Jahrzehnten steckt. Zu diesem schmerzenden Schluss kam ich zu Beginn der 2. Intifada, und trotzdem lebe ich noch hier. Der Internationale Gerichtshof hat sich im Jahr 2004 deutlich gegen die Mauer ausgedrückt. Trotzdem ist auch auf internationaler Ebene nichts geschehen. Die Boykottbewegung hat sich als Reaktion auf dieses Urteil Im Haag formiert. Natürlich ist es wichtiger, den Kauf von Flugzeugen und Panzern zu verhindern, als von Bananen. Das Argument, ein Boykott schwäche die palästinensischen Arbeiter, ist nicht sehr stark. Ich als israelischer Bürger und Konsument und Arbeitnehmer bin ja auch davon betroffen, trotzdem überzeugt es mich nicht. Aus dem gleichen Grund müsste man gegen jede Abrüstung sein.
    Ich hänge hier etwas an, das damit zu tun hat:
    http://abumidian.wordpress.com/deutsch/nicht-in-unserm-namen/brook

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