Ein Blick auf den Thron Gottes

Geheimnisvoll mystisch beschreibt uns Johannes sein Erscheinen vor dem Thron Gottes in der Offenbarung 4. Er ringt um Worte, findet aber kaum treffende Beschreibungen. Unsere menschliche Sprache reicht nicht aus, um Gottes Welt auf angebrachte Weise zum Ausdruck zu bringen. Es ist ein Stammeln von Worten, ein Suchen und Tasten nach Bildern (vgl. 2.Korinther 12,4).

Johannes wurde eine Tür in eine Welt geöffnet, die uns fremd erscheint. Diese Realität lässt sich nicht in unser Denkmuster hineinzwängen. Die Frage ist, ob wir das so zulassen und uns in die Anbetung hineinnehmen lassen können oder uns dagegen verschließen.

Johannes beschreibt einen Thron. Wo ein Thron ist, wird regiert. Vom Thron geht Weisung, Ruhe und Ordnung aus. Der Thron ist der Ort der schlussendlichen Gerechtigkeit. Er ist der Ort der Anerkennung und Wiederherstellung. Hier lösen sich alle Fragen dieser Zeit und unseres Lebens auf.

Auffallend ist, dass Johannes denjenigen, der auf dem Thron sitzt, nicht näher beschreibt. Dafür beschreibt er das Umfeld. Er spricht vom Licht, das wie ein Jaspis und ein Karneol leuchtet und sich in einem smaragdgrünen Regenbogen spiegelt.

Der Jaspis ist ein königlicher purpurroter gesprenkelter Stein.

Die Farbe des Karneols kommt der menschlichen Haut am nächsten. Beide Steine gab es im Garten Eden (Hesekiel 28,13).

Der smaragdgrüne Regenbogen (wie ein Nordlicht) erinnert an das Leben (grün wie lebendige Pflanzen) und die Treue und Gnade Gottes gegenüber Noah (Regenbogen/1.Mose 9,12-17). Von Gott geht Leben aus.

Obwohl Johannes von Donner, Blitz und Stimmen spricht, strahlt die Beschreibung Ruhe, Ordnung, Heiligkeit und Hingabe aus. Johannes nimmt wahr, wie das Umfeld auf das reagiert, was vom Thron ausgeht. Das Entscheidende ist meine Reaktion auf Gott.

Johannes sieht auch ein gläsernes Meer. In der Sprache der Psalmen und Propheten ist das Meer ein Sinnbild für die Welt der Völker (Psalm 65,8/Jesaja 17,12/Hesekiel 26,3). Gläsern heißt, dass man vor dem Thron nichts mehr verbergen kann. Alles wird offenbar. Damals war der Kristall durchsichtiger als das meist stark getrübte Glas, deshalb steht hier der Ausdruck „gleich Kristall“. In Offenbarung 15,2 beschreibt Johannes, dass die Menschen, die zu Gott gehalten haben, über dem Meer stehen und Gott loben.

Die Blitze und das Donnern erinnern an die Gesetzgebung bei Mose. In 2.Mose 19,16 steht: „Am dritten Tag, im Morgengrauen, begann es zu donnern und zu blitzen. Schwere Wolken lagen über dem Berg und gewaltiger Hörnerschall erklang. Das ganze Volk im Lager begann zu zittern.“

Die sieben Feuerfackeln erinnern an die Menora in der Stiftshütte. Sie sind ein Bild für den „siebenfachen Geist“: „Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN (JHWH), der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und Furcht des HERRN“ (Jesaja 11,2).

Die Charaktere der vier seltsamen Wesen vor dem Thron kommen auch bei Hesekiel vor, als er den Thron Gottes sieht: „Die Gestalt ihrer Gesichter aber war: ein Menschengesicht, ein Löwengesicht bei allen vier nach rechts, ein Stiergesicht bei allen vier nach links und ein Adlergesicht bei allen vier“ (Hesekiel 1,10). Sind das Wesen, die in der Sprache der Symbolik die Wesenszüge Gottes widerspiegeln? Diese vier Charaktere lassen sich auch in den Evangelien finden: Der Evangelist Matthäus beschreibt Jesus als den majestätischen Messias (Löwe). Markus betont eher das Opfer Jesu (Stier). Lukas legt den Schwerpunkt auf den Menschen Jesus. Johannes bringt Jesus mit dem Himmel in Verbindung (Adler). Andere sehen in den vier Wesen die göttlichen Dienste: Leiter, Hirte/Lehrer, Evangelist und Prophet (Epheser 4,11).

Die vier Gestalten leiten die Anbetung Gottes und erwidern seine Liebe. Sie sprechen: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung; er war und er ist und er kommt“ (Offenbarung 4,8). Und die Ältesten antworten: „Würdig bist du, Herr, unser Gott, Herrlichkeit zu empfangen und Ehre und Macht. Denn du bist es, der die Welt erschaffen hat, durch deinen Willen war sie und wurde sie erschaffen“ (Offenbarung 4,11).

Die vierundzwanzig Ältesten werden von vielen als die Vertreter der Erlösten des ersten und des neuen Bundes gedeutet. Zwölf ist die Zahl der Stämme Israels und Zwölf die Zahl der Apostel. In Offenbarung 21,12 stehen die zwölf Namen der Stämme Israels auf den Toren des neuen Jerusalem; auf den zwölf Grundsteinen stehen die Namen der zwölf Apostel des Lammes (Offenbarung 21,14), was zusammen wieder die vierundzwanzig ergibt. Auch David hat vierundzwanzig Dienstabteilungen eingesetzt (1. Chronik 24), die vor Gott dienen. Nach 1.Petrus 2,9 sind wir eine königliche Priesterschaft. Jesus verheißt seinen Jüngern, dass sie auf Thronen sitzen werden (Matthäus 19,28). Die Siegeskränze, die weißen Kleider und die Bezeichnung „Älteste“ (Vertreter, Vorsteher) weisen deshalb darauf hin, dass diese vierundzwanzig Personen keine himmlischen Wesen sondern menschliche Vertreter sind.

Das Geheimnis der Anbetung zu beschreiben, ist fast unmöglich. Anbetung kann man nicht als Zuschauer erleben. Man kann nur daran teilnehmen. Sie ist die Hingabe all dessen, das man durch Jesus empfangen hat. So legen die Ältesten auch ihre Siegeskronen vor dem Thron nieder. Anbetung heißt, dem dreimal heiligen Gott die Ehre für alles zu geben. 

Apokalypse – Das biblische Buch der Offenbarung
Das Buch der Offenbarung (1)
Briefe aus dem Himmel (2)
Jesus sorgt sich um jede Gemeinde (3)
Ein Blick auf den Thron Gottes (4)

Fortsetzung folgt. Beiträge bestellen unter  kontakt@obrist-impulse.net

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