Drusen zwischen den Fronten

Bisher ist es den traditionell obrigkeitstreuen syrischen Drusen ganz gut gelungen, sich aus dem Bürgerkrieg herauszuhalten. Wenngleich es innerhalb der Gemeinschaft Meinungsunterschiede gab, überwog eine Haltung zwischen Neutralität und Passivität.

Die Ermordung von mindestens zwanzig Drusen im Dorf Qalb Lawzah bei Idlib durch Kämpfer der islamistischen Nusra-Front vorige Woche treibt nun die Drusen dem Assad-Regime in die Arme zurück. Und die Lage der syrischen Drusen wird auch zum Thema für die anderen Länder mit drusischen Minderheiten: Libanon, Israel und Jordanien.

Dass die Drusen nichts Gutes zu erwarten haben, wenn die Befreier Islamisten sind, ist klar. Der Chef der Nusra-Front, Abu Mohammed al-Jolani, stellte kürzlich in einem Interview in al-Jazeera klar, dass sich die Drusen nicht nur von Assad abwenden, sondern auch zum „wahren Islam“ bekehren müssten.

Besonders in Israel, wo sich unweit des israelisch kontrollierten Teils des Golan eine drusische Enklave mitten im von Rebellen gehaltenen Gebiet befindet, bemühen sich Drusen um Hilfe für ihre Glaubensbrüder in Syrien. Drusenvertreter haben sich an Staatspräsident Reuven Rivlin gewandt, um für militärische Hilfe zu werben. Rivlin brachte das Thema beim Besuch des scheidenden US-Generalstabschefs Martin Dempsey vor. Am Sonntag war ein Treffen der Drusen mit Premier Benjamin Netanjahu vorgesehen. Drusen dienen, teils auf höheren Posten, in der israelischen Armee.

Die Truppen von Präsident Baschar al-Assad seien nicht mehr in der Lage, die etwa 800.000 Drusen ausreichend zu schützen, erklärte Knessetmitglied Ajub Kara am Montag. Der Likud -Politiker ist selbst Druse. Die Situation habe sich so sehr verschlechtert, dass die Drusen in Syrien nach Möglichkeiten suchten, sich selbst zu bewaffnen, sagte Kara weiter. Wie der Politiker mitteilte, hat die drusische Gemeinschaft in Israel nun Spenden in Höhe von umgerechnet 2,3 Millionen Euro gesammelt. Juden, Christen, Muslime, Drusen und Tscherkessen hätten sich an der Aktion beteiligt.

Dass Israel offiziell etwas unternimmt und damit das Prinzip der Nichteinmischung in Syrien aufgibt, erwartet kaum jemand, vielmehr soll sich Israel laut „Haaretz“ nun bei den USA um eine Intervention zugunsten der syrischen Drusen bemühen.

Ebenfalls aktiv wird der libanesische Drusenführer Walid Jumblat. Jumblat versucht seinerseits, bei König Abdullah in Amman für Unterstützung zu mobilisieren.

Die Drusen sind im Nahen Osten eine Religionsgemeinschaft, die im frühen 11. Jahrhundert in Ägypten als Abspaltung der ismailitischen Schia entstand. Angehörige dieser Gemeinschaft leben heute vor allem im Libanon (ca. 280.000), in Syrien (ca. 700.000), in Israel (125.300) sowie in sehr geringer Zahl auch in Jordanien.

Az-Zāhir (reg. 1021-1036) verbot in Edikten die drusische Lehre und ließ ihre Anhänger verfolgen. Die Drusen schlossen sich nach außen hin ab und zogen sich in entlegenere Gebirgsgegenden zurück.

Obwohl der Glaube der Drusen stark von der ismailitischen Tradition geprägt ist, sind die Unterschiede so groß. Die Drusen haben eine allegorische Interpretation des Korans mit einer eigenen Doktrin. Die Lehre von der Seelenwanderung widerspricht ebenfalls den Prinzipien des Islam.

Außenstehende wurden nur zur Zeit der Gründung der Religion aufgenommen. Auch freiwillig kann man nicht zum Drusentum übertreten. Heute ist nur Druse, wer Kind drusischer Eltern ist. Die Drusen verehren das Grab des Jitro in Hittin. Der Tod des Kalifen im Jahr 1021 wird von seinen drusischen Anhängern als Übergang in einen Zustand der Verborgenheit verstanden, aus dem er nach 1000 Jahren wieder zurückkehren werde, um die Herrschaft über die Welt anzutreten.

Die Gläubigen werden in „Unwissende“ und Eingeweihte „Verständiger“ unterteilt. Sowohl die Struktur, als auch eine Abschottung gegenüber Außenstehenden aufgrund von Verfolgungen bedingen, dass die Praktiken und Einzelheiten der Religion der Drusen  außerhalb der Gemeinschaft nicht bekannt sind.

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Vergleiche Artikel: Wende auf dem Golan

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