Die Taqiyya-Politik zur Täuschung

Gedanken zum Nahen Osten von Bassam Tibi, gekürzt aus der BAZ 5.10.17

Die Begriffe Assassinen und Taqiyya sind islamisch-schiitischen Ursprungs. Nach dem islamischen Schisma in Sunna und Schia im Jahre 661 wurden Schiiten verfolgt; sie gingen daraufhin in den Untergrund, um der sunnitischen Verfolgung zu entkommen. Das schiitische religiöse Dogma der Taqiyya erlaubt Schiiten, sich in der Öffentlichkeit zu verstellen und dabei zu lügen, um ihr Leben zu schützen. Im Verlauf der Jahrhunderte hat sich dieses Dogma jedoch verselbstständigt; so wird es auch dann angewandt, wenn keine unmittelbare Lebensgefahr besteht.

Die Assassinen waren eine mittelalterliche schiitische Sekte. Sie werden in der Regel von einer dritten Partei als Meuchelmörder und Spione instrumentell eingesetzt. Sie sind ihrem Auftraggeber gegenüber loyal und gefügig. Zunächst spionieren sie im traditionellen Sinne dadurch, dass sie versuchen, ihr Zielobjekt durch Vertrauenserwerb zu infiltrieren und dann auf dieser Basis zielstrebig zu handeln. In der Regel ermorden Assassinen ihre Opfer, wenn sie ihr Ziel erreicht haben und es nichts mehr auszuspionieren gibt. Ein Beispiel hierfür ist der iranische Einsatz eines Briten mit schiitisch-iranischen Wurzeln namens Daniel James, der als Übersetzter von General Sir David Richards in Afghanistan arbeitete. Er konnte alle Isaf-Pläne einsehen und an Iran weitergeben, bis er enttarnt wurde.

Bis zum Erscheinen von Edward Saids Buch «Orientalism» im Jahr 1979 war es in den westlichen Islam-Studien möglich, frei über den Islam zu forschen. Said verunglimpfte die gesamte westliche Islam-Forschung mit dem Vorwurf des «Orientalismus». Jeder, der sich kritisch über den Islam äussert, riskiert, der Islamophobie bezichtigt zu werden.

Nach der Islamischen Revolution unter Khomeini 1979 hat Iran systematisch versucht, seine islamische Revolution nicht als schiitisch zu beschränken, sondern als universell gelten zu lassen, auch für die gesamte Welt des Islam. Aber schnell mussten sunnitische Muslime die dahinter sich verbergende schiitische Strategie der Taqiyya erkennen.

Der Hauptnutzniesser des Sturzes des sunnitischen irakischen Diktators Saddam Hussein war der schiitische Iran. Statt Demokratisierung hat es eine heute fortgeschrittene Schiitisierung des Nahen Ostens unter iranischer Führung gegeben.

Die New York Times berichtet im Juli 2017 auf der Titelseite: Im Irak «arbeiten von Iran gesponserte Milizen intensiv an der Errichtung eines Korridors, um Menschen und Waffen an die richtigen Stellen in Syrien und im Libanon zu transportieren. (…) Iran hat seine Mission nie aus des Augen verloren: den Irak so gründlich zu dominieren, dass Iran niemals mehr von ihm militärisch bedroht werden kann, und das Land als Korridor von Teheran bis zum Mittelmeer zu nutzen.»

Im Stillen betreibt Iran dieselbe Politik in Afghanistan, um den Westen – besonders die USA – in dem inzwischen längsten Krieg (16 Jahre), den die USA führen, zum Scheitern zu bringen.

Die Mehrheit der afghanischen Stämme ist sunnitisch. Iran hat deshalb seine Afghanistan-Politik an die lokalen Verhältnisse angepasst und arbeitet sehr eng mit den sunnitischen Taliban zusammen. Beide sind sich darin einig, dass die USA scheitern sollen.

Anders als Sunniten, die sehr laut in die Rhetorik-Fanfare blasen, macht der schiitische Iran Politik im Stillen und verkauft sich täuschend an den Westen als Dialogpartner. Die iranischen Assassinen werden hier nicht nur gegen die pro-westliche afghanische Regierung, sondern auch gegen die eigenen Verbündeten eingesetzt, sodass die Taliban Grund bekommen, sich zu fürchten und Angst davor zu haben, es sich mit den Iranern zu vermasseln. Die New York Times schrieb im August 2017: «Iran hat heimlich Attentäter (assassins) entsandt, Spione ausgebildet und Polizei und Verwaltung unterwandert, vor allem in den westlichen Provinzen, sagen afghanische Offizielle

Iran ist es gelungen, eine Geopolitik des schiitischen Gürtels in antiwestlicher und antisunnitischer Absicht durchzusetzen. Im New-York Times-Artikel von Juli 2017 steht der kluge und richtige Satz: «Die Wurzeln des Schismas zwischen Sunniten und Schiiten reichen fast 1004 Jahre zurück (…), aber heutzutage geht es ebenso sehr um Geopolitik wie um Religion, ausgedrückt durch verschiedene Staaten, die Rivalen sind.»

Der Nahe Osten sieht heute so aus: Iran ist die wichtigste Regionalmacht und wird tatkräftig und auf allen Ebenen von Russland unterstützt. Iran bietet sogar sein Territorium für russische Flugzeuge an, die Syrien bombardieren. Iran ist das Zentrum, Irak und Syrien sind Stellvertreter Irans; und die schiitische, von Iran finanzierte Hizbollah agiert überall, sie entsendet ihre Killer-Schwadronen in fast alle Gegenden des Nahen Osten. Sunnitische Islamisten wie Hamas und die AKP in der Türkei fügen sich der iranischen Hegemonialpolitik.

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