Die Juden sollten mit den Armeniern massakriert werden

Der osmanische Kriegseinsatz in Palästina wurde von deutschen Offizieren geleitet. Der deutsche General Erich von Falkenhayn, ein fähiger preußischer Offizier, der als Stabschef der deutschen Armee diente, war der Kommandant der türkischen und deutschen Truppen während der kritischen Periode zwischen 1917 und 1918.

Eine deutsche Fotografien-Sammlung enthält ein Bild davon, wie Falkenhayn 1918 Palästina verlässt und trägt eine erstaunliche Bildunterschrift mit der Behauptung, dass Falkenhayn ein Massaker der Türken an den palästinensischen Juden verhindert hätte.

„Falkenhayn und der deutschen Truppe ist es anzurechnen, einen osmanischen Genozid gegenüber den Christen und Juden Palästinas – ähnlich der Grausamkeiten an den Armeniern – verhindert zu haben.“

Sein Vermächtnis ist sein Verhalten während des Palästina-Krieges von 1917. Wie sein Biograf Afflerbach angibt: „Unmenschliche Ausschreitungen gegen die Juden Palästinas wurden nur durch Falkenhayns Eingreifen verhindert, was hinsichtlich der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts eine besondere Bedeutung hat und Falkenhayn auszeichnet.“

Hat also ein deutscher General die palästinensischen Juden vor einem Massaker geschützt?

Eine Genealogie der Falkenhayn-Familie im Internet führt weiter aus: „Während er nach Palästina befohlen war, ist es ihm gelungen, alle türkischen Pläne hinsichtlich der gewaltsamen Vertreibung aller Juden aus Palästina, vor allem aus Jerusalem, zu verhindern. Da dies im Zuge des Genozids an den Armeniern geschehen sollte, lässt sich mit Recht sagen, dass Falkenhayn die Ausrottung jüdischer Siedlungen in Palästina vereitelte.“

Zionisten wurden zugleich verdächtigt, in Opposition zur türkischen Herrschaft zu stehen, und ihre Führer – wie zum Beispiel Ben Gurion – wurden eingesperrt, schikaniert oder vertrieben. Einige von ihnen waren in Palästina sozusagen Neulinge, zugewandert aus Russland, einem verfeindeten Staat.

Zur selben Zeit bildeten auch 1.000 jüdische Freiwillige in der britischen Armee, darunter ein paar aus Palästina, 1915 das Zion-Maultierkorps, später bekannt als jüdische Legion, und kämpften mit Tapferkeit gegen die Türken in Gallipoli.

Die Juden Palästinas fürchteten, dass sie nach den Armeniern als nächstes dran sein würden. Die Angst brachte ein paar dazu, das NILI-Spionage-Netzwerk aufzubauen, um den britischen Kriegseinsatz zu unterstützen.

Eitan Belkind, der die türkische Armee infiltrierte und in Cemal Paschas Truppe diente, wurde Zeuge der Ermordung von 5.000 Armeniern. Später wurde sein Bruder als NILI-Spion von den Türken gehängt. Sarah Aaronsohn aus Zichron Ya‘akov reiste 1915 mit Zug und Kutsche von der Türkei nach Palästina. Auf ihrem Weg beobachtete sie Gräueltaten, die gegen die Armenier begangen wurden.
1916 gründete sie gemeinsam mit ihrem Bruder Aharon Aaronsohn – einem bekannten Agrarwissenschaftler – den NILI-Spionagering. Nachdem sie im Oktober 1917 in Zichron Ya‘akov von den Türken gefangen und gefoltert wurde, beging Sarah Selbstmord, um keine Informationen preiszugeben.

Sarahs Bruder Aharon schrieb in seinen Memoiren: „Der türkische Befehl, unsere Waffen zu konfiszieren, war ein schlechtes Zeichen. Ähnliche Maßnahmen wurden vor dem Massaker an den Armeniern vorgenommen, und wir fürchteten, dass unser Volk dasselbe Schicksal ereilen würde.“

Die ungeheuerlichste Tat, die von den Türken begangen wurde, war die plötzliche Vertreibung der Juden aus Jaffa-Tel Aviv am Abend des Pessach im April 1917. Zwischen 5.000 und 10.000 Juden wurden vertrieben. Die Jischuw in Galiläa und Jerusalem beherbergten viele der jüdischen Flüchtlinge, doch da finanzielle jüdische Hilfe aus dem Ausland von den Türken abgefangen wurde und das Land unter einer Heuschreckenplage litt, starben viele der vertriebenen Juden an Hunger und Krankheit. Am Ende waren 20 Prozent der Bevölkerung Jaffas umgekommen.

Michael Hesemann, ein deutscher Historiker, beschreibt die schreckliche Situation wie folgt: „Cemal Pascha, der türkische Befehlshaber, der für den armenischen Genozid verantwortlich war, bedrohte die jüdisch-zionistischen Siedler. In Jaffa wurden mehr als 8.000 Juden gezwungen, ihre Häuser zu verlassen, die von den Türken geplündert wurden. Zwei Juden wurden vor dem Stadttor gehängt, Dutzende wurden tot am Strand gefunden. Im März berichtete die Nachrichtenagentur Reuters von einer ‚massiven Vertreibung der Juden, die ein ähnliches Schicksal wie die Armenier ereilen könnte.‘“

Wer rettete die jüdische Gemeinde, bevor die Briten ihre Eroberung Palästinas Ende 1917 und 1918 vollendeten?

Viele Schilderungen bestätigen, dass deutsche Offiziere und Diplomaten die Juden beschützten. Der Bericht des Zionistischen Kongresses besagte: „Während ihres gesamten Aufenthaltes im Land haben sie sich immer hilfsbereit gezeigt und dem jüdischen Jischuw (der jüdischen Gemeinde) wertvolle Dienste erwiesen zu haben. Eine besondere Erwähnung verdient der deutsche Vize-Konsul Schabinger in Haifa…Die jüdische Bevölkerung profitierte auch von der Anwesenheit des Leiters der deutschen Militärmission, Oberst Kress von Kressenstein, der bei mehreren Gelegenheiten seinen Einfluss für die Juden geltend machte.“

Falkenhayns Biograf, Prof. Holger Afflerbach von der Universität Leeds, erklärt: „Falkenhayn musste Maßnahmen der Türken gegen jüdische Siedlern beaufsichtigen, die des Hochverrats und der Kooperation mit den Engländern angeklagt waren. Er verhinderte allzu harsches Vorgehen.“

Der Professor fügt hinzu: „Die Parallelen zum Beginn des armenischen Genozids sind offensichtlich und eklatant: Es begann mit der türkischen Beschuldigung, die Armenier würden mit den Russen kollaborieren, und die Osmanen entschlossen sich, alle Armenier weg von der Grenze in einen anderen Teil des Reiches zu transportieren. Dies endete mit Tod und Vernichtung der Armenier. Auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Ende 1917 Palästina in der Frontlinie lag, hätte etwas sehr ähnliches den jüdischen Siedlern widerfahren können.“

„Falkenhayns Rolle war entscheidend“, beschreibt Afflerbach. „Sein Urteil im November 1917 war folgendes: Er erklärte, dass es einzelne Fälle von Kooperationen zwischen den Engländern und ein paar radikalen Juden gegeben hätte, dass es aber ungerecht wäre, ganze jüdische Gemeinden zu bestrafen, die damit nichts zu tun hätten. Somit geschah den jüdischen Siedlungen nichts. Nur Jaffa war evakuiert worden – von Cemal Pascha.“

Hesemann, der deutsche Historiker, zitiert Dr. Jacob Thon, Leiter des Zionistischen Büros in Jerusalem, der 1917 schrieb: „Es war ein besonderer Streich des Glücks, dass in den letzten kritischen Tagen General von Falkenhayn das Kommando hatte. Cemal Pascha hätte in diesem Fall – so wie er es oft genug angekündigt hatte – die gesamte Bevölkerung vertrieben und das Land in Ruinen verwandelt…“

Falkenhayn hegte laut seines Biografen Afflerbach keine besondere Liebe für die Juden: „Er war in vielen Aspekten ein typischer wilhelminischer Offizier und nicht einmal frei von gewissen Vorurteilen gegenüber Juden, was aber zählt ist, dass er tausende jüdische Leben gerettet hat.“

(Zuerst erschienen bei Arutz Sheva von Lenny Ben David, übersetzt von Ulrike Stockmann, Auszüge aus Jüdischer Rundschau)

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