Der schweizerische Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag ist in doppelter Hinsicht ein ungewöhnlicher Anlass

2019: Sonntag 15. September / immer 3. Sonntag im September

„Kann ein Staat ohne ethische Grundlage überhaupt existieren und seinen Einwohnern ein sicheres und in die Zukunft weisendes Dasein ermöglichen?“ fragt Jon Domenic Parolini Regierungspräsident des Kantons Graubündens.

Der eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag ist – obwohl dem Gebet gewidmet – kein kirchlicher, sondern ein staatlicher Feiertag. Zweitens ist er – obwohl als «eidgenössisch» deklariert – seit je von den Kantonen verantwortet.

Hervorgegangen sind die Buss- und Bettage aus dem Judentum. In der Schweiz reicht ihre Tradition bis ins Spätmittelalter zurück. Anfangs riefen die Obrigkeiten die Bevölkerung je nach Bedarf zum Gebet auf – etwa bei Seuchen, Erdbeben oder Kriegsgefahr.

Die Tradition des „Grossen Gebets der Eidgenossen“ ist erstmals 1517 schriftlich überliefert. Im Juli 1796 beschloss die Tagsatzung auf Antrag Berns und angesichts der drohenden Revolution, den Bettag am 8.9.1796 erstmals als allgemeine eidgenösische Festfeier durchzuführen. 1832 wurde der Bettag definitiv auf den dritten Sonntag im September festgelegt. Seit dem 2. Vatikan. Konzil (1962 bis 1965) wird der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag als ökumenischer Festtag begangen. Ein Abschaffungsversuch im Jahr 2000 scheiterte.

Zum gesamteidgenössischen Feiertag wurde der Bettag in mehreren Entwicklungsschüben, stets ausgelöst durch äußere Bedrohungen: Mitten im Dreißigjährigen Krieg, 1639, beschlossen die reformierten Orte, künftig einen alljährlichen Bettag durchzuführen, um für die bisherige Verschonung des Landes zu danken. Vier Jahre später zogen die katholischen Orte nach. mehr Informationen

Angesichts aktueller gesellschaftlicher Veränderungen – etwa die Säkularisierung und die sinkende Bedeutung von Kirche und Glaube in der Öffentlichkeit – kommt diesem Feiertag eine immer wichtigere Aufgabe zu: die Erinnerung an die christlichen Wurzeln des Landes und der Dank für den Segen in Vergangenheit und Gegenwart. In diesem Sinn erinnerte Bundesrat Ignazio Cassis in seinem Grusswort zur Bettagsbegegnung 2019 im Bundeshaus daran, wie nach dem Sonderbundskrieg die beiden Parteien aufeinander zugingen, um gemeinsam in die Zukunft zu gehen. Das Resultat war die Verfassung von 1848.

Die überkonfessionelle Bettagsbegegnung 2019 fand zum zweiten Mal statt und wird von fünf Nationalräten und einer Nationalrätin aus fünf politischen Parteien getragen. Ihr gemeinsames Anliegen ist es, Dankbarkeit, Friedensförderung und Versöhnung sowie Gebet auch im politischen Alltag als Quelle der Hoffnung und Ermutigung zu stärken.  mehr Informationen

Regierungspräsident Jon Domenic Parolini schreibt im Bettagsmandat 2019 an die Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons Graubünden:  „Kann ein Staat ohne ethische Grundlage überhaupt existieren und seinen Einwohnern ein sicheres und in die Zukunft weisendes Dasein ermöglichen?“ Das Zusammenleben sei ohne Solidarität nicht möglich. Staatliche und religiöse Gemeinschaften sind aufeinander angewiesen. Falsch wäre es, wenn der Staat die Überzeugungen der Einwohnerinnen und Einwohner beeinflussen oder gar kontrollieren wollte. Aufgabe des Staates sei das Gegenteil: Er habe eine möglichst grosse Freiheit in Bezug auf Meinung und Lebensgestaltung zu garantieren. Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag rufe so „zum Gespräch, zum Ringen und zur friedlichen Auseinandersetzung“ auf, heisst es im Schreiben der Regierung weiter. Der Bettag könnte somit ein Dreifaches bedeuten: das Danken für Wohlstand und friedliches Zusammenleben, die Bereitschaft, sich und anderen Fehler einzugestehen und das Beten als Weitung des Horizonts. mehr Informationen

Unter dem Patronat von Gebet für die Schweiz findet alljährlich am Dank-Buss-und Bettag ein Anlass auf dem Säntis statt. mehr Informationen

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