Der Ramadan – der Monat des Korans

2017: 27. Mai bis 24. Juni  Abhängig ist die Dauer des Fastenmonats von der Sichtbarkeit des Mondes. Mit der Sichtung des Mondes beginnt die Fastenzeit. Es gibt daher kein festes Datum, an dem der Fastenmonat jedes Jahr beginnt. In einigen Regionen oder nach muslimischen Richtungen beginnt das Fest daher auch einen Tag früher oder einen Tag später.

  • Mohammed schloss sich zunächst dem Versöhnungstag der Juden an.
  • In den letzten 10 Tage warten die Muslime auf eine ganz bestimmte Nacht, die vorher nicht feststeht, aber reichlich Belohnung mit sich bringt, wenn man diese im Gebet verbracht hat.
  • Im Laufe des islamischen Fastenmonats Ramadan werden in Israel bis zu einer Million palästinensische Besucher aus dem Westjordanland erwartet.
  • Ramadan und Jihad sind nach muslimischem Verständnis wie zwei gute Freunde.

Der Ramadan ist der Fastenmonat der Muslime und der neunte Monat des islamischen Mondkalenders. In ihm wurde nach islamischer Auffassung der Koran herabgesandt (Sure 2,185). Da man sich über die genaue Nacht der Offenbarung des Korans nicht im Klaren ist, feiert man diese Nacht überwiegend in der Nacht zum 27. Ramadan, aber auch an anderen ungeraden Tagen der letzten zehn Tage des Fastenmonats. Verwirrend ist, dass der Koran Muhammed nicht als ganzes Buch gegeben wurde, sondern in unterschiedlichen Offenbarungen zu unterschiedlicher Zeit und Orten und auch veränderten Aussagen zum gleichen Thema. Deshalb wurde im Koran angeordnet, dass die neuere Offenbarung die gültige sei (Sure 2,106). Wobei zu beachten ist, dass der Koran nicht chronologisch angeordnet ist.

Die ersten Verse des Korans wurden dem Gesandten Gottes im Monat Ramadan offenbart. Deshalb wird der Fastenmonat auch als „Monat des Korans“ bezeichnet. So sammeln sich in der Fastenzeit täglich viele Muslime in den Moscheen, um den gesamten Koran in dem Monat Ramadan gemeinsam zu lesen. Diese Tradition geht auf den Propheten zurück, der gemeinsam mit dem Offenbarungsengel Gabriel jedes Jahr zum Ramadan den Koran komplett rezitierte. Da der Koran das Herz des Islams, die Hauptquelle der Muslime, Allahs letzte Offenbarung ist, wird das Lesen und Rezitieren (in Arabisch) besonders belohnt. „Wer den Koran in angemessen schöner Weise liest, ist mit den Engeln.“ (Buhârî)

Ein Muslim fastet mit allen Sinnen, die ihm Allah gegeben hat. So soll er nicht schlecht reden, nichts Schlechtes tun und auch nichts Schlechtes hören. In dieser Zeit setzt er sich intensiver mit seinem Glauben und seinem Schöpfer auseinander. Während der Fastenzeit sind folgende Dinge verboten: Verzehr von irdischen Substanzen und Speisen sowie Getränken, Rauchen, Geschlechtsverkehr und Trunkenheit. Zum Fasten ist jeder Muslim verpflichtet, der in vollem Besitz seiner Geisteskräfte, volljährig und körperlich dazu imstande ist. Wer die Fastenpflicht bricht, muss mit Strafen rechnen, denn das Nichteinhalten ist in vielen islamischen Staaten verboten. Zu vermeiden sind während der Fastenzeit: üble Nachrede, Verleumdung, Lügen und Beleidigungen aller Art.

Schwangere Frauen und Kranke sowie Kinder, sofern sie noch nicht in der Pubertät sind, sind zum Fasten nicht verpflichtet. Schwangere Frauen, Kranke und Reisende müssen die versäumten Tage nach Wegfall der Gründe nachholen (Sure 2,185). Frauen in ihrer Menstruationsphase müssen solange aussetzen bis sie wieder rein sind. Chronisch Kranke (zum Beispiel Diabetiker) und Alte können Almosen geben oder Bedürftige bewirten (die so genannte Fidya).

Ausschlaggebend für den Beginn bzw. für das Ende des Ramadans ist jeweils die Sichtung der Mondsichel durch einen oder durch mehrere Zeugen. In den Hadithen steht: „Der Monat besteht aus 29 Tagen. Fastet erst, wenn ihr die Mondsichel seht, und brecht das Fasten erst, wenn ihr sie wieder seht.“ Der Verzicht auf die Sichtung der neuen Mondsichel als Anfang des Ramadans durch eine astronomische Berechnung führt zwangsläufig zur Ignorierung des prophetischen Gebots „fastet erst, wenn ihr sie (die Mondsichel) seht“.

Der tägliche Fastenanfang wird so beschrieben: „… und esst und trinkt, bis ihr in der Morgendämmerung einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden könnt!“ und „Hierauf haltet das Fasten durch bis zur Nacht (Sure 2,187).“ Der zweite Kalif Umar ibn al-Chattab brach das Fasten erst nach dem Abendgebet. Mohammed soll aber auch gesagt haben: „Gott hat gesagt: Am liebsten unter meinen Dienern ist mir, wer am schnellsten das Fasten bricht“. Mit der Zeit setzte sich auch die Sicht durch, dass das Fasten damit beginnt, wenn „Häuser und Wege mit Licht erfüllt“ werden.

Wann soll man essen, wenn es nicht dunkel wird, wie in den nordischen Ländern? Ein klare Regel und Gewissheit gibt es nicht. Die Muslime, die dort leben, haben sich darauf geeinigt, sich nach Mekka zu richten. Die Muslime in Oslo haben sich darauf geeinigt, an die norwegische Zeit zu halten. Sie essen zwischen 23 Uhr und 3 Uhr.

Die Engel werden für einen, der bei Eintritt der ersten Morgendämmerung bei Gott um Verzeihung bittet, genauso Fürbitten einlegen, wie für einen, der die letzte Mahlzeit bei Morgendämmerung, einnimmt. Folglich gilt diese letzte Mahlzeit in der Rechtslehre als „empfehlenswert“, oder sogar als Sunna, die zu befolgen ist.

In den letzten 10 Tagen von Ramadan werden in den Moscheen, aber auch zu Hause die Nächte hindurch gebetet und gottesdienstliche Handlungen durchgeführt. In dieser Zeit warten die Muslime auf eine ganz bestimmte Nacht, die vorher nicht feststeht, aber reichlich Belohnung mit sich bringt, wenn man diese im Gebet verbracht hat.

Üblicherweise wird mit Datteln und einem Schluck Wasser das Fasten gebrochen und ein Gebet gesprochen. Es ist üblich, das Fastenbrechen in größeren Kreisen durchzuführen und Gäste, Verwandte, Nachbarn, Bekannte und insbesondere Bedürftige dazu einzuladen und die Mahlzeiten gemeinsam einzunehmen.

Das Fasten im Islam ist eine Form des Gottesdienstes. Die Seele des Fastenden wird gereinigt und die Beziehung zu Gott und den Mitmenschen wird gefestigt. Das Erlangen einer gewissen Selbstbeherrschung und Konzentration auf das Wesentliche schärft das Gewissen und vergrößert die Widerstandskraft. Die Muslime erhoffen sich für das Fasten die Belohnung ihres Schöpfers im Jenseits.

Mohammed schloss sich mit seinen Gefährten in Medina zunächst dem Aschura-Fest, dem Versöhnungstag der in Medina und dessen Umgebung sesshaften Juden an; man fastete an diesem Tag vom Sonnenuntergang bis zum Sonnenuntergang des nächsten Tages und nicht, wie im Ramadan, nur den Tag über. Nach dem islamischen Mondkalender fällt dieser Tag, an dem das Fasten auch im Islam eine empfehlenswerte Handlung geblieben ist, auf den 10. Muharram. In Mekka wurden an diesem Tag – bis zum letzten Jahrhundert – die Tore des Heiligtums der Kaaba geöffnet. Der 9. Muharram ist auch ein Festtag schiitischer Asketen; am 10. Muharram gedenken die Schiiten des Märtyrertods von al-Husain, dem Sohn des ersten Imams Ali. Somit blieb das Fasten am Aschura-Fest sowohl für die Sunniten als auch für die Schiiten Bestandteil religiöser Praktiken aus unterschiedlichen Gründen.

Im zweiten Jahr (623–624) nach der Auswanderung Mohammeds aus Mekka nach Medina wurde dann ein eigenständiges Fasten für die islamische Gemeinschaft eingerichtet.

Durch das Fasten entsagen Muslime der weltlichen Dinge und beginnen wieder mehr nach dem zu streben, was ihr eigentliches Ziel ist: das Paradies. Einige Muslime fasten viele Tage vorher freiwillig, wofür sie auch reichlich von Allah belohnt werden können.

Das Ende des Ramadans wird mit einem Fest begangen. Es heißt auf Arabisch Id-Al-Fitr und auf türkisch Ramazan Bayrami. In den islamischen Ländern ist Id-Al-Fitr in der Regel arbeits- und schulfrei. Es ist nach dem Opferfest der höchste islamische Feiertag. Das Fest beginnt mit einem Festgebet am ersten Tag des folgenden Monats Schawwal und dauert insgesamt drei Tage. Es ist das Fest des Fastenbrechens, wo sich die Familien treffen, zusammen gegessen wird, Geschenke verteilt werden und das erfolgreich bestandene Fasten im Monat Ramadan gefeiert wird.  Die Muslime beglückwünschen sich gegenseitig nach dem Festgebet und drücken ihren Wunsch aus, dass Allah ihr Fasten und die übrigen erfüllten Glaubenspflichten und -dienste annehmen möge. Für die Kinder ist dieses Fest etwas besonderes, denn im Volksmund wird es auch Zuckerfest genannt, wo keine Einschränkungen im Verzehr von den süßen Leckereien herrscht.

Die Aleviten haben eine andere Fastenzeit, die Muharrem Orucu. Sie ist nach dem islamischem Kalender 20 Tage nach dem Opferfest und dauert zwölf Tage. Auch das Fasten unterscheidet sich in einigen Punkten. In dieser Zeit ist hier auch das Fleischessen verboten, es gilt ein Schlachtverbot und Männer dürfen sich nicht rasieren.

Der Ramadan verschiebt sich in den nächsten Jahren in den Hochsommer. Der Verzicht auf Flüssigkeit kann bei schwerer körperlicher Arbeit, speziell im Hochsommer, zu Konzentrationsstörungen oder gar Dehydrierung führen. Da es aber hierzulande im Sommer bis zu 20 Stunden sein können, in denen keine Flüssigkeit zu sich genommen werden darf, kann dies insbesondere zu Beginn der Fastenzeit (Übergangszeit) zu Kreislaufproblemen, Erschöpfungszuständen und Konzentrationsschwierigkeiten führen. Darüber hinaus können sich gesundheitliche Probleme als Folge von zu großen Mahlzeiten in der Nacht und einem anhaltenden Schlafmangel ergeben.

Wer in der Fastenzeit in die Vereinigten Arabischen Emirate reist oder in Länder wie Ägypten, Tunesien und die Türkei, sollte Rücksicht nehmen. Denn egal ob gläubig oder nicht: Während des Ramadan sind Essen, Trinken und Rauchen in der Öffentlichkeit verpönt. Restaurants werden daher nicht selten abgetrennt, um Einheimische nicht zu stören. Unterkünfte bewirten Touristen trotz des Fastenmonats in normalem Umfang.

Im Laufe des islamischen Fastenmonats Ramadan werden in Israel bis zu einer Million palästinensische Besucher aus dem Westjordanland in Israel erwartet. Das wichtigste Ziel der Pilger ist die Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem. Aber auch andere Orte in Israel ziehen die Besucher an – neben den Einkaufszentren in Jerusalem sind das vor allem die Orte am Meer. Es gilt als besonderes Gebot und als segensreich, während des Ramadan ans Meer zu fahren.

Ramadan der Jihad-Monat
Selten erlebte ein Monat so viele Schlachten in der für die Sache Allahs Eroberungen und Siege errungen wurden. Ramadan und Jihad sind nach muslimischen Verständnis wie zwei gute Freunde. Im Ramadan wurde die Gründung der islamischen Nation mit der Einnahme von Mekka begründet. Das Fasten ist ein Training für den Jihad und war einer der wichtigsten Faktoren des Propheten bei der Wahl der Führer seiner Armee. Im Ramadan wurden Siege und Schlachten geführt, welche den Lauf der Geschichte verändert haben.

  • Der erste Sieg in der grossen Schlacht von Badr (Ramadan 2 / März 623)
  • Rückkehr nach Mekka (Ramadan 8 / Januar 630)
  • Einnahme von Andalusien, die der Islam nach Europa befördert und verursacht, dass die islamische Zivilisation in Europa Einzug hielt. (Ramadan 92 / Juli 711)
  • Sieg über Napoleon Bonaparte (Ramadan 1213 / Februar 1799)
  • Sieg des osmanischen Reiches über die Russen (Ramadan 1224 / Oktober 1809)
  • Überquerung des Suezkanals mit der Beseitigung des Mythos der Unschlagbarkeit der israelischen Armee (Ramadan 1393 / Oktober 1973)

Quellen zu Jihad und Ramadan: http://en.alukah.net/Thoughts_Knowledge/0/507/     http://www.islamweb.net/ramadanG/index.php?page=listing&vPart=323

Vergleiche auch Artikel:
Warum Christen, Juden und Muslime fasten
Nicht-Muslime müssen die Gefühle der Muslime in Saudi-Arabien respektieren
Ramadan in Israel: Beten, Baden und Shoppen
Der Monat Ramadan ist ein Monat des heiligen Krieges und des Todes für Allah
Christen beten für Muslime während dem Ramadan

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