Das Unkraut und der Weizen

Jesus weist mit dem Beispiel vom Weizenfeld und dem Unkraut (Matthäus 13,24-30/36-43) darauf hin, dass er eine ganz andere Perspektive hat, als wir sie oft haben. Er sieht den Weizen und nicht das Unkraut. Damit der Weizen zur vollen Reife gelangen kann und nicht beim Jäten versehentlich mit ausgerissen oder beschädigt wird, lässt er das Unkraut mitwachsen (Vers 29). Gut und Böse existieren nebeneinander. Doch Jesus lebt mit der inneren Gewissheit, dass am Schluss alles gut enden wird (Verse 30 und 43). Das gibt Gelassenheit.

Jesus lässt sich sein Reden und Handeln nicht vom Unkraut diktieren. Stimmen, die ein frühzeitiges Tilgen von Unkraut fordern, gibt es immer wieder. Doch wir können keine reine Gesellschaft schaffen. Das Gleichnis ermutigt uns, das eigene Verhalten und Denken nicht von der Angst vor dem Schlechten bestimmen zu lassen, sondern den Fokus auf die gute Frucht zu richten (Vers 29).

Der Herr selbst bestimmt, wann der Tag kommt, an dem Gut und Böse voneinander getrennt werden. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne (Vers 43).

Warum lässt Gott das Böse gewähren?

Als Gott Himmel und Erde schuf, legte er fest, nach welchen Grundsätzen er sich das Leben gedacht hatte.

Die Bibel zeigt uns auf: Gottes Wesen ist Liebe (1.Johannes 4,8). Liebe ist ein freiwilliges Beschenken des anderen. Diese Freiwilligkeit schließt auch die Möglichkeit der Ablehnung in sich ein. Deshalb können sich die Menschen und auch die Engel entscheiden, ob sie sich auf Gott einlassen (Weizen) oder gegen das System auflehnen (Unkraut) wollen.

Der Mensch sollte das Gute tun, aber um die Möglichkeit des Bösen wissen. Nachdem der Mensch gegen Gott rebelliert hat, tut er das Böse und weiß um das Gute. Statt des rechten Gebrauchs wuchert der Missbrauch. Deshalb gab uns Gott durch den Kreuzes-Tod und die Auferstehung von Jesus die Möglichkeit, aus diesem negativen Kreislauf auszubrechen.

Im letzten Buch der Bibel heißt es (Offenbarung 21,1-6), dass einmal die Rebellion gegen Gott aufhören wird. Doch der Grundsatz von der Freiwilligkeit der Liebe hört niemals auf. Deshalb sollen uns die Erfahrungen mit dem Bösen dazu anhalten, uns in alle Ewigkeit nicht mehr gegen Gott zu stellen, weil wir die Konsequenzen des Handelns ohne Gott erlebt haben. Unser irdisches Leben soll uns dazu vorbereiten, dass wir in Ewigkeit bei Gott bleiben wollen. Wo es hinführt, wenn wir uns gegen Gott auflehnen, erleben wir an all den gottlosen Orten und Ereignissen auf dieser Welt (Holocaust/Diktaturen).

Der Bibel zufolge besteht die Möglichkeit zur Umkehr zu Gott während unserem irdischen Leben (Lukas 16,19-31/Hebräer 9,27). Durch Gottes Angebot in Jesus und durch den Heiligen Geist können Menschen einen neuen Weg gehen, indem sie sich befreien und Schritt für Schritt verändern lassen.

Prof. Manfred Lütz sagt in einem Interview: Die Toleranz ist auf christlichem Boden gewachsen. Sie werde zwar auch von Angehörigen anderer Religionen praktiziert, aber Christen deuteten den lateinischen Begriff „tolerantia“ (Lasten tragen) im Sinne von „Menschen anderer Meinung ertragen“. Die ersten tausend Jahre ihrer Geschichte hätten Christen Glaubensabweichler, also Ketzer, nicht getötet – im Gegensatz zu allen anderen Religionen. Der Grund dafür sei das Unkraut-Weizen-Gleichnis (Matthäus, Kapitel 13, Verse 24-30), in dem Jesus fordert, das Unkraut mit dem Weizen zusammen wachsen zu lassen und es nicht auszureißen. Lütz: „Dieses Gleichnis hat Tausende von Menschenleben gerettet. Immer wieder wurde es zitiert.“

Das ist ein Impuls aus unseren Entdeckungen in einer ergebnisoffenen Bibelstudiengruppe. Wir sind auch offen für neue Teilnehmer im Linthgebiet (siehe Inspirierendes Bibelstudium). Gern gestalte ich auch Bibeltage an anderen Orten.

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