Das Paradox von Jesus

Es tönt widersprüchlich. Einige wollen mit Jesus gehen und Jesus wimmelt ab. Andere fordert er auf, ihm zu folgen, doch diese sind noch nicht bereit.

Jesus sagt in Lukas 9,23-25: Wer mein Jünger sein will, darf nicht mehr sich selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern muss sein Kreuz täglich auf sich nehmen und mir nachfolgen.  Denn wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben für mich aufgibt, der wird es für immer gewinnen. Was hat ein Mensch denn davon, wenn ihm die ganze Welt zufällt, er dabei aber sich selbst verliert oder Schaden nimmt?

Am Kreuz stirbt man. Das Paradox von Jesus: Wer sein Leben um Jesus willen verliert – der wird es finden.  Anderes gesagt, wer sein Leben auf den Erfinder des Lebens ausrichtet, der erlebt die Fülle des Lebens – auch im Mangel. Denn Friede erhalten wir nicht von außen, sondern von innen, indem wir uns von Gott geliebt und angenommen wissen. Dieses Angebot ergreift man, indem man sich und sein Leben in Gottes Hände legt. Doch man kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen.

Lukas 9,57-58: Während Jesus mit seinen Jüngern unterwegs war, wurde er von einem Mann angesprochen: »Ich will mit dir gehen, ganz gleich wohin.«  Jesus antwortete ihm: »Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihre Nester; aber der Menschensohn hat keinen Platz, an dem er sich ausruhen kann.«

Zu dem Mann der begeistert ist und am Erfolg von Jesus teilhaben will, zeigt er auf, dass es auch die zweite Seite gibt. Nicht immer ist man als Nachfolger von Jesus willkommen und wird beherbergt. Es ist eine Spannung in der Abhängigkeit von Gott zu leben.

Lukas 9,59-60: Einen anderen forderte Jesus auf: »Komm, folge mir nach!« Er erwiderte: »Ja, Herr, aber vorher lass mich noch nach Hause gehen und meinen Vater bestatten.« Da antwortete Jesus: »Überlass es den Toten, ihre Toten zu begraben. Du aber sollst dich auf den Weg machen und die Botschaft von Gottes Reich verkünden.«

Ein anderer den Jesus ruft, der ist noch nicht bereit. Ich werde später kommen. Wenn meine familiären Verpflichtungen vorbei sind, werde ich mich dir zur Verfügung stellen. Der Vater scheint ja noch nicht gestorben zu sein. Das Später klappt nicht. Heute sollen wir mit unseren Möglichkeiten Gott zur Verfügung stellen.  

Lukas 9,61-62: Wieder ein anderer sagte zu Jesus: »Ich will mit dir kommen, Herr. Erlaube mir aber, mich vorher noch von meiner Familie zu verabschieden.«   Ihm antwortete Jesus: »Wer beim Pflügen nach hinten schaut, den kann Gott in seinem Reich nicht brauchen.«

Warum sollte der Dritte keinen Abschied nehmen? Jesus meint nicht unhöflich zu sein. Doch wer sich zuerst mit anderen beraten muss, der wird aufgehalten. „Du kannst doch jetzt nicht gehen. Schau doch was wir aufgebaut haben. Wir haben doch so viel in dich investiert.“

Nachfolge meint, sich jetzt mit meinen Möglichkeiten zu Verfügung zu stellen. Weder in der Vergangenheit herumzustöbern, noch auf einen besseren Tag zu warten und das Wagnis eingehen, in der Abhängigkeit von Gott, sich tagtäglich überraschen zu lassen. 

Text: Hanspeter Obrist

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