Das neue Vatikan-Video irritiert

In dem nicht mal zweiminütigen Film kann man leicht den Eindruck gewinnen, der Papst behaupte, alle Religionen seien gleichermaßen Wege zu Gott und alle Religionen meinten letztendlich das gleiche: „Ich glaube an die Liebe“.

Das Video suggeriert, dass die Angehörigen verschiedener Weltreligionen Dinge unterschiedlich sehen, aber für alle gilt, dass sie Kinder Gottes sind, dass sie Gott zwar auf verschiedenen Wegen finden, aber im Wesentlichen doch übereinstimmen, weil sie alle an die Liebe glauben.

„Gott ist die Liebe“, lehrt das Neue Testament (1. Joh. 4, 8). Und in diesem Kontext scheint das Ende des Videos zu verkünden, alle Religionen seien sich im Letzten doch einig, weil ihre Anhänger jeweils alle an die Liebe glauben. Doch stimmt das?

Papst Franziskus hat an zahlreichen Stellen die Zentralität Jesu bekannt und – wohl am eindrucksvollsten in seiner Enzyklika „Evangelii gaudium“ – zur mutigen Verkündigung des Evangeliums aufgerufen. Im Sinne eines synkretistischen „alle Religionen führen zu Gott“ kann die Botschaft des Papstes also nicht verstanden werden. Doch das Video lässt die nötige Differenzierung vermissen.

Einer Erklärung benötigt die Aussage, alle Menschen seien Kinder Gottes. Gott hat alle Menschen erschaffen und ist deshalb ihr Vater. In diesem allgemeinen Sinne sind alle Menschen als Geschöpfe Kinder von Gott. Auffällig ist jedoch, dass das Neue Testament die Ausdrücke „Kind Gottes“ und „Sohn Gottes“ praktisch ausschließlich auf die Nachfolger von Jesus anwendet. Tatsächlich scheint es dort nicht so selbstverständlich zu gelten, dass jeder ein Kind Gottes ist.

So schreibt Johannes: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben“ (Joh. 1, 12).

Interessant ist auch die Beobachtung, dass man anstelle des Kreuzes die Figur eines Jesuskindes sieht. Weshalb wird hier auf das zentrale Symbol des Christentums verzichtet? Im Kreuz leuchtet eben der radikale Unterschied zwischen dem Evangelium und allen Religionen auf: Der Mensch rettet sich nicht selbst, indem er an die Liebe glaubt, sondern indem er die Liebe Gottes erfährt, wenn er sich dem für ihn gekreuzigten und auferstandenen Erlösers anvertraut und so ein versöhntes Gotteskind wird.
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Wenn wir Juden, Muslime und Christen in ihrem Glauben ernst nehmen wollen, dann müssen wir akzeptieren, dass  die Angehörigen dieser drei Religionen unterschiedliche Vorstellungen über das Paradies, Gott, das Menschsein und den Weg des Glaubens haben. Wir sollten aber auch offen und ehrlich darüber sprechen können, ohne einander die Köpfe abzuschlagen, indem wir die Entscheidung eines Menschen für oder gegen einen bestimmten Weg respektieren, wie es auch Jesus getan hat (Joh. 6,67).

 

Die katholische Piusbruderschaft veröffentlichte am 19.02.2016 folgende Antwort:

Artikel, die einzelne Aspekte des Glaubens von Juden, Christen und Muslimen vergleichen:     PDF

Juden Christen MuslimeJuden, Christen, Muslime – das gleiche Ziel?
Juden, Christen, Muslime – ein Gott
Der Mensch für Juden, Christen und Muslime
Konzepte der Erlösung bei Juden, Muslimen und Christen
Normative Schriften bei Juden, Christen und Muslimen
Der Glaube von Juden, Christen und Muslimen ähnelt sich – zugleich gibt es aber auch Unterschiede

Wie das Video von Zuschauern verstanden wird:

Es gibt nur einen Gott, alle Menschen haben den selben gemeinsamen Ursprung. Wieviele Religionen gibt es? Es gibt nur eine Religion, die Religion der Liebe! J.A.

Alle Menschen sind Kinder Gottes. Dann sind wir alle Brüder und Schwestern. Wenn wir uns alle wie Brüder und Schwestern begegnen würden, dann würde Frieden werden auf Erden. Welche Verheissung. Lasst es uns alle versuchen. Dank sei Dir Franziskus für Deine klaren Worte.  H.S.

Ich find’s wirklich gut gemacht und … ja, … „mutig“. Er spricht von der „Auffächerung der Religionen“… Und dann die Schlussbilder, in denen die Symbole der Religionen gleichberechtigt zusammen geführt werden… Alle Achtung!   R.S.

Ich bin schockiert – nein nicht vom Video, sondern von den Kommentaren da unten …. . leider gibt es anscheinend noch immer viele Menschen (Katholiken? Christen?) die Religion und/oder Glaube als Exklusivrecht eines Vereines sehen. Tolle Botschaft des Papstes! Einfache Botschaft des Papstes! Menschliche Botschaft !!!  M.G.

Hier werden alle falschen Religionen mit der katholischen gleichgesetzt und das ist traurig. Die katholische Kirche ist die alleinseligmachende. Das sagt auch das zweite Vatikanum und ist ein Dogma. Das Video erweckt leider einen anderen Eindruck… I.K.

Irritierend ist auch, dass der Papst die Eucharistie nicht mit Christen außerhalb der katholischen Kirche feiern will. Siehe: http://obrist-impulse.net/franziskus-bittet-waldenser-um-vergebung/

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