China im Wandel

Am 1. Februar 2018 ist in China eine neue Religionsverordnung in Kraft getreten. Sie eröffnet staatlichen Institutionen neue Kontrollmöglichkeiten und reguliert alle religiösen Aktivitäten im Land. Ihr offizielles Ziel besteht darin, «die Religionsfreiheit der Bürger zu schützen». Einige chinesische Kirchenleiter betrachten die Verordnung jedoch als unzulässigen Eingriff in genau diese Freiheit und sehen sie dadurch bedroht.

Die Verordnung macht detaillierte Auflagen für die Registrierung religiöser Organisationen wie auch die Nutzung eines Gebäudes für religiöse Aktivitäten. Gleichzeitig werden lokale Religionsbehörden mit Befugnissen ausgestattet, nach eigenem Ermessen über entsprechende Anträge zu entscheiden.

Religiöse Lehrer oder Mitarbeiter religiöser Institutionen werden zur Auskunft gegenüber den Behörden verpflichtet.

Pastor Wang Yi aus Chengdu, Provinz Sichuan, nahm öffentlich kritisch Stellung zu der neuen Verordnung: «Die Regierung ist nicht befugt, religiösen Gruppierungen im Blick auf ihre Lehrinhalte oder ihre Versammlungszeiten und –orte Vorschriften zu machen.» Die chinesische Verfassung mache religiöse Aktivitäten und Versammlungen nicht von der Zustimmung der Regierung abhängig. Viel mehr dürfe die Regierung «nach der Logik und dem Geist der Rechtsstaatlichkeit» Bürgern die Teilnahme daran ohne verfassungsrechtliche Genehmigung nicht verweigern.

Die Verordnung umfasst auch religiöse Aktivitäten im Internet. Laut Artikel 47 unterliegt jegliches Engagement im Bereich religiöser Online-Informationsdienste der Untersuchungs- und Genehmigungspflicht durch die Behörden.

Gegenüber Open Doors gab eine lokale Kontaktperson jedoch zu bedenken: «Es ist nicht hilfreich, der chinesischen Regierung offen gegenüberzutreten und seine Rechte mit Hilfe der Öffentlichkeit einzufordern. Ratsamer sind direkte Verhandlungen mit lokalen Behörden, um eine Lösung vor Ort zu finden.»  Quelle: www.opendoors.ch

Nachdem  die neue chinesische Religionsgesetzgebung in Kraft getreten war, griffen 19 Städte in der zentralchinesischen Provinz Henan das Christentum hart an und zwangen Christen, sich heimlich zu treffen.

Viele Beamte in den Städten gingen von Tür zu Tür und forderten Christen auf, der von der Regierung zensierten Drei-Selbst-Kirche statt ihrer nicht registrierten Hauskirchen beizuwohnen und ermutigten sie, religiöse Poster und Kreuze aus ihren Häusern zu entfernen.

Am 6. Januar befahl der Direktor des Büros für Religiöse Angelegenheiten der Provinz Henan, Jia Ruiqin, den lokalen Regierungsstellen, die neuen Richtlinien für Religionsangelegenheiten umzusetzen, die fordern, dass alle Kirchen sich registrieren lassen oder zwangsweise schließen und die Freiheiten der Christen stark einschränken.

Darüber hinaus sagen lokale Christen, dass Lehrer ihre Schüler zum „Patriotismus aus der Kindheit“ drängen, sie lehren, nicht an Religion zu glauben, und Eltern daran erinnern, ihre Kinder nicht zu religiösen Aktivitäten zu bringen oder ihnen zu erlauben, religiöses Material zu lesen.  mehr Informationen

Hauskirche geschlossen

Die Behörden in der Provinz Guizhou haben eine große Hauskirche geschlossen und ihren Besitz konfisziert, kurz nachdem ihre Pastoren zu über 1 Million Dollar Busse verurteilt worden waren.

Wie die Hilfsorganisation China Aid vermeldet, begannen die Behörden, den Besitz der Huoshi-Kirche am 19. Januar zu konfiszieren. Die Gemeinde ist die größte unregistrierte Kirche in Guiyang, der Hauptstadt von Guizhou. Seit ihrer Gründung 2009 hatte sie Hunderte von Besuchern angezogen.

Die Gemeinde hatte ursprünglich gute Beziehungen, weil sie die Behörden über ihre Gottesdienste informiert hatte. Dennoch erhöhten die Behörden den Druck; nachdem die Gemeinde 2015 ein Gebäude eröffnet hatte, führten sie mehrere Hausdurchsuchungen durch. Gemeindemitglieder wurden verhaftet und schließlich auch Pastor Yang Hua, als er versuchte, die Konfiszierung einer Festplatte zu verhindern. Der Fall eskalierte, und der Pastor wurde schließlich wegen Besitz illegaler Staatsgeheimnisse zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Im Gefängnis wurde Pastor Yang gefoltert. Außerdem litt er an einer Krankheit der Blutgefäße und wurde falsch behandelt. Erst in «kritischem Zustand» durfte er zur Behandlung in ein Spital. Später kam er in ein anderes Gefängnis, wo er sich erholte. Auf seiner Facebook-Seite berichtet er, dass ihn die Zeit im Gefängnis «näher zu Gott gebracht hat».

Letzten Mai wurde Yang und sein Kollege Pastor Su Tianfu zu einer Busse von 7’053’710.68 Yüan, das sind über eine Million Dollar, verurteilt. Diese Summe hatten sie als Kollekten für den Kirchenbau eingenommen, was die Behörden als «illegales Einkommen» bezeichneten. Obwohl die Pastoren bezeugten, dass die Gemeindmitglieder das Geld in den Baufonds gegeben hatten, wurde das Urteil in zweiter Instanz aufrechterhalten. Außerdem erließ der Gerichtshof eine Anordnung, die Kirche mit Gewalt zu schließen, nur ein paar Wochen nach dem Urteil. mehr Informationen

In den letzten Monaten wurden mehr als hundert Christen aus Xinjiang in «Umerziehungslager» geschickt. Die Mitglieder der Kirche sind in ‚Umerziehungszentren‘ inhaftiert und wissen nicht, wann sie freigelassen werden. Manche werden einen Monat festgehalten, andere sechs Monate oder länger. Familien werden so auseinandergerissen, wenn ein Elternteil oder sogar beide verhaftet werden. In Xinjiang leben die mehrheitlich muslimischen Uiguren, welche die Anti-Terror-Maßnahmen der Regierung besonders zu spüren bekommen. Dabei machen die Behörden keinen Unterschied zwischen Separatistengruppen, islamischen Aktivisten und Christen mit muslimischem Hintergrund, um Repression auszuüben. Die Gläubigen müssen am Eingang der offiziellen Kirchen ihren elektronischen Personalausweis vorlegen. Wenn jemand Beamter ist, ertönt ein Signal. Deshalb besuchen viele Christen diese Kirchen nicht mehr sondern versammeln sich in kleinen Gruppen. «Sogar das Smartphone wird überwacht. Wir leben in einem riesigen Gefängnis», sagt ein Christ. mehr Informationen

China zerstört Kirchen

Chinesische Polizeibeamte zerstörten in der zweiten Januarwoche 2018 eine der größten evangelikalen Kirchen des Landes und benutzten schwere Maschinen und Dynamit, um das Gebäude zu zerstören, in der mehr als 50.000 Christen ihren Glauben praktizierten.

China weist 1000 koreanische Pastoren aus

China hat rund 1000 südkoreanische Pastoren ausgewiesen und manche ihrer Kirchen geschlossen. Klare Gründe nannten die chinesischen Behörden nicht. Die Zeitung «The Korean Herald» zitiert eine Quelle, die sagt, die chinesische Regierung glaube, dass südkoreanische Pastoren Nordkoreanern helfen, die aus ihrer Heimat geflohen sind. Zudem wird die Aktion als vorausgehende Massnahme bei der Einführung neuer … weiterlesen

China: „Da hilft nur noch Jesus“

Die Volksrepublik China erlebt einen moralischen Abstieg. Ausdruck dafür sind Korruption, Missachtung menschlichen Lebens, Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr und fehlende Hilfsbereitschaft für die Opfer. Diese Ansicht vertritt der Wirtschaftskorrespondent Hendrik Ankenbrand (Schanghai) in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er zitiert den Pekinger Moralphilosophen Prof. He Huaihong: „Die Welt ist fasziniert vom Aufstieg der chinesischen Wirtschaft.“ Aber der …  weiterlesen

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