Archiv der Kategorie: Texte Annemarie

Das Dilemma

„Du muesch mir verspräche, dass du das niemertem säisch“, drängt mich meine Freundin. Ich verspreche es ihr – mit einem unguten Gefühl. Meine Versprechen habe ich noch immer gehalten. So zweifle ich nicht daran, es auch diesmal zu tun. Aber das Unwohlsein bleibt. Was, wenn mich mein Vater fragt, ob ich etwas wisse? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, doch ich verdränge den Gedanken. Ich sehe keine Lösung und hoffe, dass er nicht darüber spricht.

Es ist Abend. Die Milch ist abgeliefert. Die Kühe sind versorgt. Wir sitzen am Tisch und essen Milchreis. Noch bevor ich mich davonschleichen kann, Das Dilemma weiterlesen

Unterhaltung im Dunkeln

Es gab Zeiten, da kam ich mir überflüssig und minderwertig vor. Früher habe ich mich oft und lange im Selbstmitleid gesuhlt. Nach Jahren entdeckte ich, dass es hilfreicher ist, das Selbstmitleid mit Dankbarkeit zu ersetzen. Nur noch selten muss ich an die Tragödie vor 22 Jahren denken.

Am 11. Juli 1987 war ich mächtig aufgeregt, da ich zu einem Hochzeitsfest fahren durfte. Als mein Auftritt auf dem Programm stand, platzte ich schier vor Stolz. Alle haben auf mich geblickt, einige sogar mit einem Lächeln. Doch ohne Vorwarnung Unterhaltung im Dunkeln weiterlesen

Wien ist unser Ziel

Zelt, Pfannen, Kocher, Schlafsack, Kleider – alles ist verstaut in den zwei Seitentaschen auf dem Fahrrad. Sorglos steigen wir in den Zug. Wir fühlen uns erfahren und routiniert. Vor einem Jahr sind wir von der Rheinquelle bis ans Meer gefahren. Vor drei Jahren ging’s quer durch die Schweiz. Heute fahren wir mit dem Zug bis nach Donaueschingen. Dort soll es Wien ist unser Ziel weiterlesen