Calvin – die unerschrockene Reformation

Und Calvin? Schreibst du auch darüber, war eine Anfrage an mich. Eigentlich hatte ich es nicht vor, doch zu ihm gibt es einige interessante Beobachtungen.

Im Nahen Osten ist mit etwas davon zum ersten Mal begegnet. Ein von Calvin geprägter Jesusnachfolger war unerschrocken. Weil er an die von Calvin geprägte Vorherbestimmung glaubte, sprach er auch in gefährlichen Situationen unerschrocken von Jesus.

Ein Paradox? Eine Sichtweise ist, dass ja eh alles vorherbestimmt ist und man deshalb nicht über Jesus sprechen muss. Die andere Reaktion ist, dass ich unerschrocken über Jesus sprechen kann, da ja die Reaktion schon vorherbestimmt ist. Ein Pastor erklärte mir. Es ist wie wenn du mit dem Autoschlüssel auf den Parkplatz gehst. Du drückst den Fernöffnungsknopf und ein Auto beginnt zu blinken. So ist es, wenn ich von Jesus erzähle, wer dafür vorbestimmt ist, der reagiert.

Spannend ist tatsächlich, dass die Calvinisten, oft unerschrocken zu ihrer Meinung standen. Vielleicht ist das gerade das Prägende der Genfer Reformation. Anderseits müsste diese Haltung auch dazu führen, dass man sich gegenseitig stehen lässt. Dass war aber nicht immer der Fall. Anfangs war Genf fast ein Gottesstaat. Heute ist Genf ein Synonym für gegenseitige Toleranz und Menschenrechte.

Johannes Calvin wurde am 10. Juli 1509 in Noyon (Nordfrankreich) geboren.  Er studierte Rechtswissenschaft. In Orléans gelang es dem deutschen Melchior Volmar, Lehrer für Griechisch und Anhänger Luthers, Calvin für humanistische Studien zu begeistern. Im Frühjahr 1531 verstarb sein Vater. Calvin, der zu dem Sterbenden geeilt war, musste miterleben, wie diesem, der jahrzehntelang im Dienst der Kirche gestanden hatte, die Totenmesse verweigert wurde, weil er im kleinen Kirchenbann war.

Anschließend ging er wieder nach Paris. Er gab die Juristerei auf und wandte sich ganz den im Trend liegenden humanistischen Studien zu. Im Haus seines Wohnungsgebers, des reichen Tuchhändlers Étienne de la Forge, der Martin Luthers Gedanken verbreitete, traf sich heimlich ein Kreis „Evangelischer“ Christen.

Als Calvins Freund Nikolaus Kop zum neuen Rektor der Universität berufen wurde, half Calvin bei der Vorbereitung seiner Antrittsrede.   Die Folge war ein Tumult unter den Zuhörern und eine Anzeige gegen Kop beim höchsten Pariser Gericht. Kop und seine Freunde mussten fliehen. Calvin selbst seilte sich, während die Verfolger schon an die Tür klopften, an zusammengebundenen Leinentüchern aus einem Fenster zum Hof ab.

Nachdem sich die Aufregung um die Kop-Affäre gelegt hatte, ging Calvin zurück nach Paris und besuchte den Kreis reformatorisch gesinnter Personen, den er von früher kannte.

Kaum hatte sich Calvin entschieden der Reformation zugewandt, strömten ihm Menschen zu, die ihn hören wollten. Er reiste umher. In Crotelles teilte er, der kein geweihter Priester und auch kein examinierter Theologe war, zum ersten Mal das Abendmahl aus.

Am 18. Oktober 1534 wurden überall in Paris antikatholische und zugleich lutherkritische Plakate entdeckt. Der König geriet in Zorn und ordnete die Verfolgung der Evangelischen an. Das Parlament führte zahlreiche Ketzerprozesse; bald darauf wurden überall Menschen auf Scheiterhaufen verbrannt, darunter auch Calvins früherer Gastgeber, Étienne de la Forge.

Auf seiner Flucht kam er 1535 auch ins evangelische Basel.  Der reformatorische Prediger Guillaume Farel hielt später Calvin in Genf fest und beschwor ihn, sich dort für die Sache der Reformation einzusetzen. Die Institutio Christianae Religionis (dt. „Unterricht in der christlichen Religion“) hatte ihn inzwischen bekannt gemacht. Calvin erarbeitete eine Gemeindeordnung mit strenger Kirchenzucht, die das gesamte öffentliche und private Leben einer minutiösen Regulierung unterwarf, in der es keinerlei individuellen Spielraum mehr gab.

Durch Kontakt mit Martin Bucer aus Strassburg wurde Calvin in seiner Theologie geprägt, beispielsweise in der Prädestinationslehre (Vorherbestimmung), im Abendmahlsverständnis und in der Vierämterlehre (Pastoren, Lehrer, Älteste, Diakone).

Im Oktober 1553 kam es in Genf zur Hinrichtung des spanischen Arztes Michael Servetus, der auf Veranlassung Calvins durch Beschluss des Rats der Stadt zum Tode verurteilt wurde, weil Servetus die Trinitätslehre ablehnte.

Nach jahrelanger Krankheit starb Calvin 1564 in Genf. Calvin war als Reformator der zweiten Generation theologisch von Luther, Melanchthon, Zwingli und Bucer beeinflusst.  mehr Informationen

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