Bilanz

Beten mit der Bibel, Dienstag 31. Dezember,  Radio Maria Schweiz

Die ganze Finanzwelt zieht am Ende vom Jahr Bilanz. Juden machen das am jüdischen Neujahr. Dabei geht es nicht um wirtschaftliche Aspekte, sondern um einen persönlichen Rückblick und Ausblick. Was mich besonders fasziniert, sie machen das in der Verantwortung vor Gott.

Rosch HaSchana, das jüdische Neujahr, wurde in ihrer Tradition zum Tag des Beginns, der Erlösung.

Wir Christen haben kein Jahresbilanz Ritual.

Doch es ist gut, bevor das Jahr zu Ende geht und ein neues Jahr beginnt, innezuhalten, abzulegen und sich mit der Hilfe Gottes ins neue Jahr zu wagen.

Am Ende vom Jahr wird man sich der Vergänglichkeit seines Lebens bewusst.

Raschi, ein jüdischer Gelehrter, machte klar: Bei der Beurteilung einer Person steht sie ganz alleine vor ihrem Schöpfer. Sie hat niemanden, auf wen sie die Verantwortung (für ihre Taten) übertragen oder für ihre Fehler verantwortlich machen könnte.

Das besondere im Judentum ist, es kommt nicht darauf an, wo man steht, sondern in welche Richtung man sich bewegt.

Um die Beurteilung Gottes positiv zu bestehen, müssen nach jüdischer Auffassung folgende drei Aspekte erfüllt werden:

  1. Juden müssen Gott als ihren Schöpfer und König anerkennen. Sie müssen verstehen, dass sich die Welt nicht um sie dreht, dass nicht sie die Geschicke der Welt lenken, sondern dass sie nur die Verwalter von Gottes Schöpfung sind.
  2. Sie müssen vom Materiellen wegkommen und stattdessen den Wunsch nach immer mehr Spirituellem entwickeln.
  3. Nach jüdischem Verständnis werden die Menschen daran gemessen, was sie bereit sind zu geben, anstatt zu nehmen.

Im Mittelpunkt der Bußgebete steht der Satz: «Vater, wir haben gesündigt, sei uns gnädig.»

An Rosch Haschana ist es üblich, die Sünden symbolisch in ein Gewässer zu werfen. In Micha 7,19 steht: »Du wirst all unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.«

Nach Maimonides (1135-1204) will das Schofar, ein Horn das wie eine Trompete geblasen wird, eindringlich ermahnen: «Wacht auf, ihr Schläfer und denkt nach über eure Taten und gedenkt an euren Schöpfer, und kehrt um zu ihm in Buße. Gehört nicht zu denen, welche die Wirklichkeit verfehlen, indem sie Schatten nachjagen, die ihre Jahre damit vertun, dass sie nichtigen Dingen nachjagen, welche weder Nutzen noch Heil bringen.“

Mit dem Jahreswechsel soll ein neuer Anfang stattfinden.

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