Berliner Katholiken fordern Boykott von Waren aus Israel. Der Kardinal schweigt

Gunnar Schupelius ärgert sich in der BZ Berlin über die Haltung der katholischen Kirche. Er schreibt (leicht gekürzte Fassung):

Die katholische Organisation Pax Christi, ansässig in der Hedwigkirchgasse 3 in Mitte, ruft zum Boykott israelischer Waren auf, wenn sie aus Siedlungen im Westjordanland stammen.

Das Westjordanland wurde von Israel nach einem Angriffskrieg der arabischen Nachbarländer 1967 besetzt. Ein Teil steht unter palästinensischer Verwaltung. Hier soll nach einem Friedensschluss ein palästinensischer Staat entstehen. Ich wunderte mich, warum die Katholiken angesichts der schwierigen Lage in Nahost einzig und allein Israel treffen wollen. Ich fragte Manfred Budzinski von der Pax-Christi-Nahostkommission, ob er auch Diktaturen wie Syrien oder den Iran mit einem Waren-Boykott belegen würde. Er antwortete: „Das alleinige Ziel unserer Aktion ist die differenzierte Kennzeichnung der Waren. Waren aus Syrien und dem Iran sind anhand ihrer Kennzeichnung als solche zu erkennen.“Mit dieser Antwort widerspricht Herr Budzinski dem eigenen Aufruf von Pax Christi, der allen Deutschen empfiehlt, keine Waren aus jüdischen Siedlungen zu kaufen. Es geht Pax Christi also sehr wohl um Boykott.

Ich fragte den katholischen Bischof, Kardinal Woelki, ob er diese Aktion unterstützt. Antwort: „Kardinal Woelki hat die Kampagne zur Kenntnis genommen und bewertet sie nicht.“Meine Nachfrage: „Gedenkt der Kardinal, gegen die Kampagne zu protestieren?“ Antwort: „Nein, weil er sie nicht bewertet.“Ich meine allerdings, dass man diese Kampagne sehr wohl bewerten sollte. Denn die Pax-Christi-Kritik an Israels Siedlungen ist nicht nur wohlfeil und billig, sie fällt in eine sehr sensible Zeit. Wohlfeil ist sie, weil die Mehrheit der Israelis ohnehin bereit ist, Siedlungen aufzugeben und einen Palästinenser-Staat zu begrüßen, wenn es auf palästinensischer Seite eine Garantie auf Frieden gäbe. Die gibt es nicht, dafür aber jede Menge schlechte Erfahrungen. So wurde Israels Rückzug aus dem palästinensischen Gaza-Streifen im Jahr 2005 seitdem mit nichts als ständigem Raketenbeschuss „belohnt“. In eine sensible Zeit fällt der Boykott, da Israel in diesem Jahr mehr denn je mit dem Rücken zur Wand steht. Die iranischen Führer, die dem jüdischen Staat öffentlich mit der Vernichtung drohen, greifen nach der Atombombe. In Ägypten kommen Antisemiten an die Macht. In dieser Lage wirkt der selbstgerechte Boykott der saturierten Katholiken aus dem sicheren Berlin auf mich geschmacklos und auf viele Juden wie Verrat.

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