Amazonas-Synode

Die Amazonas-Synode tritt in die zweite Arbeitsphase. Bald haben alle Redner ihre Wortmeldungen abgegeben. Fast alle 185 Teilnehmer des internationalen Bischofstreffens haben in der Synodenaula in Anwesenheit des Papstes einen vierminütigen Redebeitrag geleistet, dazu einige Delegierte und Experten, insgesamt etwa 210. Zur Sprache kamen dabei rund 140 Themen aus dem Arbeitspapier, dem „Instrumentum laboris“.

Von der Vollversammlung verlagert sich die Arbeit jetzt wieder in die 11 kleinen, zwischen 20 und 25 Personen umfassenden Sprachgruppen, die das Gehörte nochmals vertiefen.

Die Zerstörung der Natur, die Vernichtung des Regenwalds, die Gefährdung des Weltklimas, der Raubbau an Bodenschätzen, die Belastung der Flüsse durch nicht-nachhaltige Bergbauprojekte und vor allem die Folgen für Leben und Gesundheit der Menschen waren zentrale Themen der Redebeiträge. Aber auch die viele Formen von Gewalt, Vertreibung, Migration, Menschenhandel, Drogen kamen zur Sprache.

Das Thema der dreiwöchigen Sonder-Bischofssynode lautet: „Amazonien – neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“. Neben vielen Aspekten der sozialen und wirtschaftlichen Gerechtigkeit oder der Ökologie kamen bislang vor allem Fragen der Seelsorge in der riesigen Krisenregion zur Sprache. Zentraler Aspekte ist dabei der Priestermangel, der vielen Gemeinden nur ein- bis zweimal im Jahr die Gelegenheit zur Eucharistiefeier ermögliche. Die Gläubigen auch in abgelegeneren Gegenden sehnten sich nach einer Präsenz-Seelsorge – und nicht nach einer Besuchs-Seelsorge, bei der ein Geistlicher nur selten vorbeischauen könnte.

Als Vorschlag für solche Extremsituationen wurde mehr als 30 Mal die Weihe von bewährten verheirateten Männern – „viri probati“ – genannt, zu schätzungsweise 90 Prozent zustimmend. Allerdings äußerten sich in der Aula auch Kritiker eines solchen Sonderwegs. Nicht der Zölibat sei Grund für den Priestermangel, sondern die Inkohärenz in der Kirche (fehlende Einheit), die Skandale, die fehlende Heiligkeit, meinte ein Synodaler.

Diskutiert wurde auch über mehr Verantwortung und neue Ämter für Laien, auch für Frauen. Frauen seien in vielen Gemeinden die eigentliche Stütze im Alltagsleben, wenn der Priester fehle. Sie leiteten Basisgruppen, kümmerten sich um Katechese, um Caritas-Aufgaben, Familien-Betreuung, sie leiteten Wortgottesdienste. Vorgeschlagen wurde von mehreren Sprechern eine Diakoninnen-Weihe – über die der Vatikan seit Jahren berät, allerdings bislang ohne Ergebnis.

Insgesamt dringen weniger Informationen nach draußen als bei vergangenen Weltbischofstreffen. Früher wurden die Texte aller Wortmeldungen auch an die Journalisten verteilt, unter Franziskus wurde das schrittweise abgeschafft. Das Synodensekretariat veröffentlicht nur noch eine kurze, anonymisierte Auflistung von Themen, die in der Aula zur Sprache kamen, manche mit kurzen Paraphrasen. Die Themen und Aussagen werden aber nicht einzelnen Sprechern zugeordnet. Das erschwert Beobachtern die Einschätzung von Stimmungen und Meinungen in der Synoden-Aula. Offenbar spielten bislang theologische Überlegungen oder Grundsatzfragen der katholischen Soziallehre zu Gerechtigkeit oder gerechtem Wirtschaften eine eher untergeordnete Rolle.

Samstag, den 26. Oktober stimmen die Synodenmitglieder über die einzelnen Paragraphen des Schlusspapiers ab. Das wird dann dem Papst übergeben. Und der erstellt daraus das offizielle Schlussdokument.   mehr Informationen

Im Dokument von Abu Dhabi (4. Februar 2019) unterschrieb Franziskus den Satz: „Der Pluralismus und die Verschiedenheit in Bezug auf Religion, Hautfarbe, Geschlecht, Ethnie und Sprache entsprechen einem weisen göttlichen Willen, mit dem Gott die Menschen erschaffen hat.“

Die offene Frage bleibt, inwiefern die Kirche bereit ist, diese Offenheit auch innerhalb der kirchlichen Strukturen umzusetzen und die Eucharistie (im Spenden und Empfangen) zu öffenen. 

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