Alt werden mit Vision

Alte reife Menschen sind etwas Kostbares. Drei Dinge zeichnen sie aus: Sie leben nicht in der Vergangenheit, haben einen aufmerksamen Blick für Mitmenschen und leben mit der Sehnsucht nach Jesus und verbreiten Hoffnung. Die Bibel berichtet von zwei alten Menschen, welche am Rande der Gesellschaft, aber mitten im Zentrum des Weltgeschehens, stehen (Lukas 2,22-40). 

Simeon heißt „Erfüllung“. Der Heilige Geist ruht auf ihm. Das bedeutet, dass er im Einklang mit Gott lebt und vertraut, dass Gott seine Versprechen erfüllt. Gottes Anliegen sind auch die seinen. So sehnt er sich nach dem verheißenen Erlöser, dem Christus und Messias. Gott gab ihm die Gewissheit, dass er ihn noch vor seinem Tod sehen wird. Der Glaube des Simeon wird bis aufs Letzte strapaziert. Seine Kräfte lassen nach. Doch eines hat er nicht verlernt: auf die leisen Hinweise von Gottes Geist zu achten. So geht er zum Tempel, und als er Maria und Josef mit Jesus sieht, weiß er: Das ist das verheißene Kind.

Er preist Gott und dankt ihm, dass er Wort hält. Er sagt: „Meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Nichtjuden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“ Damit nimmt er Bezug auf Jesaja 49,6, wo steht: „Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten und die Verschonten Israels heimzuführen. Ich mache dich zum Licht der Nationen; damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.“

Das ist eine kontrastreiche Situation. Simeon spricht vom hocherhabenen König und Retter, doch vor ihm steht ein armes Ehepaar, das nicht einmal das Geld für die ordentlichen jüdischen Opfer aufbringen kann. Nach 2.Mose 13,13-15 musste für den Erstgeborenen ein Opfer gebracht werden, und nach 3.Mose 12 muss eine Frau nach der Geburt ein Opfer in den Tempel bringen.

Simeon hat den besonderen Blick, der nicht das sieht, was vor Augen ist, sondern was auf dem Herzen Gottes liegt. Das Prinzip der Hoffnung ist, in einem Menschen schon das zu sehen, was Gott aus ihm machen kann.

Doch nicht nur für Jesus hat Simeon einen Segen. Er gibt Maria folgende Worte mit auf den Weg: „Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele zu Fall kommen und aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird, – und deine Seele wird ein Schwert durchdringen. So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.“

Nach dem ersten Höhenflug kommt die nüchterne Landung: „Dein Kind wird zum Schicksal der Menschen werden.“ Entweder finden sie bei ihm Rettung (das ist die Bedeutung des Namens Jesus) oder sie zerschellen an ihrem eigenen Widerstand. „Du wirst großen Schmerz erfahren.“ Das ist eine Andeutung darauf, dass ihr Sohn vor ihr sterben wird. Am Kreuz offenbart sich das Denken der Menschen. Bis heute ärgern sich Leute am Kreuz oder sehen darin die aufopfernde Liebe Gottes für uns Menschen.

Die zweite Person, der die kleine Familie im Tempel begegnet, ist Hanna. Ihr Name bedeutet: Gott ist gnädig. Ihr Leben spricht jedoch eine andere Sprache. Nach nur sieben Jahren Ehe wird sie Witwe. Jetzt ist sie 84 Jahre alt. Anstatt am Leben zu verzweifeln und bitter zu werden, vertraut sie Gott und legt ihr Leben und ihre Zukunft in seine Hände. Ihr Leben ist geprägt von der Sehnsucht nach Jesus. Die Bibel verwendet dafür oft das Bild der Braut, die auf ihren Bräutigam wartet. Hanna stellt sich Gott zur Verfügung.

Sie richtet Menschen auf, indem sie Anteil nimmt, von Gott spricht und anderen hilft, den Blick von sich weg zu lenken, indem sie Gott dankt und ihn preist.

Maria und Josef werden immer wieder ermutigt. Zuerst durch den Engel, dann durch Elisabeth, dann die Hirten, nun durch Simeon und Hanna und die Gelehrten aus dem Osten.

Gott schickt uns Menschen über den Weg oder gebraucht uns, um andere zu ermutigen.

Das ist ein Impuls aus den Entdeckungen in ergebnisoffenen Bibelstudiengruppen im Linthgebiet.

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