2030 fehlen den Kirchen etwa 14‘000 Pfarrer

Den beiden großen Kirchen in Deutschland werden einem Bericht des Nachrichtenmagazins Focus zufolge bis zum Jahr 2030 insgesamt etwa rund 14’000 Pfarrer fehlen. Eine offene Frage ist, ob das Bedürfnis nach dieser Art von Kirche noch so groß ist wie heute. Welche Bedeutung hat eine Pfarrerin in einer immer kleiner werdenden Gemeinde noch? 

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, geht davon aus, dass bis 2030 etwa 7.000 der aktuell rund 13’500 Priesterstellen in den katholischen Bistümern nicht mehr besetzt werden können. Seiner Ansicht nach müssen in Zukunft mehr Aufgaben von Laien übernommen werden.

Nicht besser geht es der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Der Pfarrerverband erwartet, dass von derzeit rund 21’000 Pfarrstellen bis zum Jahr 2030 ebenfalls rund 7’000 Stellen nicht mehr besetzt werden können.  mehr Informationen

Der Jesuitenpater Bernd Hagenkord sieht  ein Problem zwischen Kirchen und den Medien (damit auch der Gesellschaft) darin, dass viele kirchliche Player noch immer im „Predigt-Modus“ seien, „soll heißen man erwartet sich, dass andere zuhören“. Vielmehr müsse man aber heute um Aufmerksamkeit werben.   mehr Informationen

Die Kirchen werden neue ansprechende Formen finden müssen, wie Glaube gelebt und ausgedrückt werden kann. Konzerte und auch des Theater werden heute in Privaträume verlegt.  Ob auch der gelebte Glaube eher so gelebt werden wird? Werden in Zukunft auch Herzensmenschen Aufgaben der heutigen Akademiker übernehmen können?

Seit Jahren kämpft die Evangelische Kirche gegen das Berufsbild, das sie selbst erschaffen hat. Mit der Webseite „Das volle Leben“ soll das Vorurteil, der Pfarrberuf sei starr und eng, ausgeräumt werden. Vier junge und gut aussehende Nachwuchspfarrer berichten in schicken Schwarz-Weiß-Videos davon, was sie unter dem Talar tragen und warum sie einen Kirchraum gerne einmal zu einer großen Dinnerparty umgestalten würden. Die Kirche arbeitet hierfür mit einer Werbeagentur zusammen, die den Pfarrberuf internettauglich vermarkten soll. 332 Personen gefällt das bei Facebook. Zum Vergleich: Die Image-Kampagne für mehr Bewerber bei der Bundeswehr hat über 43.576 Likes.

Die EKD lässt mitteilen, dass die Zahl der Theologiestudierenden auf Pfarramt zwischen 2007 und 2017 zugenommen hat. So waren vor zehn Jahren 4.298 auf dem Weg ins Pfarramt, in diesem Jahr sind es 6.766.

„Vielen Pfarrerinnen und Pfarrern macht es zu schaffen, wenn nur wenige Menschen zum Gottesdienst kommen„, sagt Kathrin Oxen vom Zentrum für evangelische Predigtkultur. Das zermürbe. Kathrin Oxen will, dass die Prediger das Predigen nicht aufgeben, nicht verbittern, sondern lieben, dass sie verkündigen dürfen, auch wenn ihre Arbeit nur noch wenige erreicht. Es sei schwer, mit nur fünf Leuten einen Gottesdienst wirklich zu feiern. „Ohne eine Gemeinde von einer gewissen Größe kann man es nicht auf Dauer durchhalten„, sagt die Theologin. Früher schickte die Kirche ihre Pfarrer dorthin, wo sie wollte. Heute suchen sich Geistliche teilweise selbst aus, wo sie das Wort verkündigen wollen.

„Für gute Worte sind die Menschen noch immer sehr offen“, sagt sie. Aber Pfarrerinnen und Pfarrer müssten beweglich bleiben und sich auch abseits der Kanzel Orte suchen, an denen sie ihre gute Botschaft weitersagen.    mehr Informationen

Die absolute Zahl der katholischen Priester ist im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten auf einem Tiefstand angelangt. Doch was sagt diese absolute Zahl? Müssen die Zahlen nicht vielmehr in Relation gesetzt werden?  Die Mitfeiernden in der heiligen Messe sind eher Maßstab für die Bewertung einer „eucharistischen Unterversorgung“, als die Zahl der staatlich registrierten Angehörigen der öffentlich-rechtlichen Körperschaft „katholische Kirche“.  Die Zahlen zeigen, dass sich das Betreuungsverhältnis von „aktiven“ Priestern zu „aktiven“ Gläubigen seit 1950 fast verdoppelt hat. Ein Priester ist im statistischen Durchschnitt heute nur noch für die Hälfte an „aktiven“ Gläubigen zuständig (1950: 700 beziehungsweise 581 Gläubige pro Priester; 2015: 310 beziehungsweise 249 Gläubige). Auch im Bereich der anderen Kasualien zeigt sich eine signifikante Besserstellung zu früher. Im Vergleich zu früher hat ein Priester heute im Durchschnitt bei mehr als 50 Prozent weniger Trauungen zu assistieren (1960: 11; 2015: vier Trauungen pro Jahr). Bei den Taufen sind es heute fast 30 Prozent, bei den Erstkommunionen seit 1960 mehr als 15 Prozent weniger. Während die Anzahl der Firmungen im Verhältnis etwa gleich geblieben ist, haben sich die Beerdigungen pro Priester fast verdoppelt. Anhand dieser Zahlen kann also bei weitem nicht von einem „Priestermangel“ oder einer „Unterversorgung“ von „aktiven“ Gläubigen gesprochen werden. Seit Jahrzehnten verbessert sich der Personalschlüssel. mehr Informationen

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