100 Menschen ins Gefängnis, weil sie auf einer Beerdigung gebetet hatten

Auf der Abdankung des Anwalts und Aktivisten Asma Jahangir beteten muslimische Frauen und Männer gemeinsam, bis jemand das «gemischte Gebet» als blasphemisch deklarierte. «Der Mann, der nun die Anklage einzugeben versucht, könnte noch weiter gehen und es als Sünde darstellen, dass Frauen bei einer Beerdigung dabei sind», sagt Bruce Allen von «Forgotten Missionaries International» (FMI). «Es ist bereits ein Tabu in der pakistanischen Kultur, dass eine Frau bei der Beerdigung bis ans Grab geht, auch wenn manche Islam-Lehrer sagen, dass dieser Bann nicht im Sinne Mohammeds sei.»

Grundsätzlich gilt gegenwärtig in Pakistan, dass Frauen nicht an Beerdigungen teilzunehmen haben.

Der gegenwärtige Versuch, gleich hundert Menschen auf einmal hinter Gitter zu bringen, beinhaltet auch eine politische Komponente. Ziel ist, das Blasphemie-Gesetz hochzuhalten.

Die betroffenen hundert Personen sind Muslime. Das Blasphemie-Gesetz trifft rund zur Hälfte Menschen muslimischen Glaubens. Da Christen und Hindus nur je rund zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen, sind sie insgesamt jedoch weit überproportional von Anklagen betroffen. Egal wen eine Anklage trifft und wie es um die «Schuldfrage» steht: Auch bei einem völligen Freispruch sind die Betroffenen anschließend nicht sicher vor der Lynchjustiz durch aufgewiegelte Mobs.

Pakistan gehört neben Indonesien zu den Ländern mit der größten islamischen Bevölkerung (mehr als in Ägypten und dem Iran zusammen). Dennoch verstehen die meisten Pakistaner nicht arabisch und können den Koran deshalb nicht im Originaltext lesen – und Übersetzungen werden letztlich als nicht legitim anerkannt. «Aus diesem Grund wissen viele Muslime in Pakistan nicht, was der Koran wirklich sagt.

Anders sehe es für die Christen aus, die täglich in der Bibel lesen und Andacht haben können. Jesus  sagt: ‚Ich liebe dich so sehr, dass ich meine Liebe sogar zeige, während sie noch Sünder sind. Ich will für sie ans Kreuz gehen und ihre Strafe tragen.‘    mehr Informationen   

Es braucht bloß einen Facebook-Post, um eine Blasphemie-Anschuldigung auszulösen, den Zorn einer Menge zu provozieren und so eine ganze christliche Gemeinschaft zu bedrohen. Am  Montagabend dem 19. Februar 18 blockierte eine Straßensperre aus brennenden Reifen eine Hauptverkehrsachse in Lahore. Eine wütende Menge forderte das öffentliche Erhängen des Autors eines mutmaßlich blasphemischen Posts in dieser Metropole von 15 Millionen Einwohnern, Heimat von etwa 500’000 Christen. Aus Angst vor Unruhen flohen 800 christliche Familien aus dem Shahdara Viertel, um bei Verwandten Zuflucht zu suchen.

Alles begann mit einem Foto, das Patras Masih (20 Jahre alt) vor einigen Wochen gepostet hatte. Das Bild soll dem Propheten Mohammed gegenüber respektlos gewesen sein. Patras, der Christen und Muslime zu seinen Freunden zählt, weigerte sich, die Botschaft zu löschen. Seine Mutter erzählt: «Am Sonntag kamen drei Männer mit dem Bild meines Sohnes und fragten, ob er zu Hause sei. Da er abwesend war, trafen später vier Jungen ein, die immer noch nach ihm suchten. Am nächsten Morgen, während Patras auf der Arbeit war, klopfte die Polizei an die Tür.»

Ein Onkel fährt fort: «Schon um 7 Uhr morgens begannen sich die Leute vor dem Haus der Familie zu versammeln. Mir wurde klar, dass eine explosive Stimmung herrschte. Dann drohten die Männer damit, das Haus in Brand zu stecken

Die Polizei erschien in Begleitung mehrerer religiöser Führer, um mit den Anstiftern zu verhandeln. Am Abend räumte sie dann die Straße, aber die Menge verlangte immer wieder den Tod durch den Strang für den jungen Christen. «Als die Menge unkontrollierbar wurde, brachten wir Patras zum Büro des Polizeikommissars. Seitdem haben wir nichts mehr von ihm gehört», erzählt sein Onkel.

Später fand ein Treffen auf dem Polizeiposten statt, woraufhin die Christen in einer Erklärung aufgefordert wurden, zurückzukehren und in Frieden mit ihren muslimischen Nachbarn zu leben. Darin wird unter anderem festgehalten, dass «sich die christliche Gemeinschaft verpflichtet, die muslimische Religion zu achten.»

Es wurde bekannt, dass er und sein Cousin Sajid Masih von der Polizei gefoltert wurden. Letzterer sprang sogar aus dem 4. Stock, um den Qualen zu entkommen! Er liegt schwer verletzt und im Krankenhaus und es ist noch nicht klar, ob er überleben wird. Patras Masih sitzt noch immer im Gefängnis.

In Pakistan sind soziale Netzwerke zu einem heiklen Thema im Zusammenhang mit dem Blasphemiegesetz geworden. Ein 16-jähriger Christ, Nabeel Masih, sitzt seit Mai 2017 im Gefängnis und wird beschuldigt, ein blasphemisches Foto auf Facebook gepostet zu haben.  mehr Informationen

Mob greift Christen während des Gebets an

Am Freitag 2.3.18 kam es im Nordosten Pakistans in Punjab zu einer Attacke gegen christliche Gläubige. Mehr als zwei Duzend mit Stöcken bewaffnete Männer haben sich gewaltsam Zutritt zur Kirche verschafft und die Betenden angegriffen. Dabei schlugen sie gleichermaßen auf Männer, Frauen und Kinder ein. Bislang ist die Polizei nicht gegen die Angreifer vorgegangen.

Der Attacke ging eine Aktion voraus, bei der pro-islamische Slogans auf das Haus eines Christen gesprüht wurden. Auch griff eine Gruppe islamistischer Hardliner die christliche Gemeinde in der zweitgrößten Stadt der Provinz, Faisalabad, an.

Daraus resultierten tagelange Auseinandersetzungen mit Waffengewalt. Die Polizei hat mittlerweile fünf der an den Auseinandersetzungen beteiligten Christen festgenommen. Von den muslimischen Angreifern wurde bislang niemand inhaftiert. In dem Dorf, in dem der Angriff stattfand, leben gut 200 christliche Familien.   mehr Informationen

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